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Presse-Stelle:  Umweltbundesamt für Mensch und Umwelt, D-14193 Berlin
Rubrik:Soziales u. Gesellschaft    Datum: 12.11.2002
Hohes Umweltbewusstsein - aber Informationen vermisst

Erste Studie zu Umwelteinstellungen von tuerkischen Migranten in Deutschland vorgestellt


Gemeinsame Presse-Information des Umweltbundesamtes (UBA) und der Stiftung Zentrum fuer Tuerkeistudien (ZfT)

In ihren Einstellungen zu Umweltfragen unterscheidet sich die mit rund 2,5 Millionen Menschen größte in Deutschland lebende Zuwanderergruppe - die der türkischstämmigen Migranten - kaum von der Gesamtbevölkerung. Gleichzeitig bestehen jedoch große Informationsdefizite, wie ein umweltgerechtes Verhalten aussehen soll. Dies sind erste Ergebnisse einer Studie der Stiftung Zentrum fuer Tuerkeistudien (ZfT) im Auftrag von Bundesumwelt-ministerium (BMU) und Umweltbundesamt (UBA). Der Vizepraesident des UBA, Dr. Thomas Holzmann, sagte dazu bei der Vorstellung der Ergebnisse: "Die heute immer wieder vorgebrachte Ansicht, dass der Umweltschutz fuer die Menschen kein wichtiges Thema mehr sei, wird daher auch von dieser Umfrage klar widerlegt. Allerdings zeigen die Ergebnisse, dass wir - also auch das UBA - in der Informationspolitik zum Umweltschutz noch vor großen Herausforderungen stehen." Prof. Dr. Faruk Sen, Direktor des Zentrums fuer Tuerkeistudien, ergaenzte: "Tuerkischstämmige Migranten sind fuer Umweltschutz durchaus sensibel, ihnen fehlt leider häufig das Wissen, um sich umweltgerecht zu verhalten."

Die Studie kombiniert Experten-Interviews mit einer telefonischen Befragung von 500 türkischstämmigen Haushalten in Deutschland im September 2002. Im Vergleich zur regelmäßig alle zwei Jahre von BMU und UBA in der Gesamtbevölkerung durchgeührten Repräentativumfrage "Umweltbewusstsein in Deutschland" (zuletzt 2002) zeigt sich: Im Bereich der Einstellungen bestehen nur geringe Unterschiede zur Gesamtbevölkerung. Umweltschutz wird in beiden Gruppen von mehr als 90% der Befragten als eine wichtige politische Aufgabe eingeschätzt. Es besteht eine hohe Sensibilitaet hinsichtlich der Gefahren durch Umweltverschmutzung sowie eine positive Grundeinstellung gegenüber Umweltschutzmaßnahmen. So befürworten beispielsweise 75% der türkischen Migranten und 73% der Deutschen die Einführung des Dosenpfandes. Lediglich 8% der Migranten vertreten die Ansicht, als Einzelne oder Einzelner koenne man in Umweltbelangen ja doch nichts tun (unter den Deutschen sind dies immerhin 16%).

Gleichzeitig wird jedoch sowohl ein erhebliches Wissensdefizit über tiefer liegende Zusammenhänge von Umweltproblemen als auch ein - von den befragten Migranten selbst beklagtes - Informationsdefizit über praktische Möglichkeiten des Umweltschutzes deutlich. Das Verständnis von Umweltschutz erstreckt sich vorwiegend auf das nahe Umfeld - Müll in den Straßen, Autoabgase, Stadtteilbegrünung und ähnliches. Für komplexere und ursächliche Zusammenhänge besteht aufgrund fehlender Informationsangebote dagegen wenig Bewusstsein. So ist es nicht verwunderlich, dass beispielsweise die Förderung umweltfreundlicher Produktionsweisen in einer Rangfolge der Wichtigkeit umweltpolitischer Maßnahmen bei den Migranten auf dem letzten Platz landete - bei den Deutschen dagegen auf Platz 3.

Die Umwelt-Berichterstattung in den Medien wird von den türkischstämmigen Migranten als zu gering bewertet - zwei Drittel der Befragten, auch die jüngeren, wünschen sich mehr Information und Beratung in türkischer Sprache. Insgesamt sehen es 97% als wichtige umweltpolitische Maßnahme an, mehr Informationen ueber Umweltthemen zu vermitteln.
Wie vor allem die Experten-Befragungen zeigen, gibt es bisher nur wenige Projekte und Maßnahmen, die Migranten zielgruppenspezifisch in die Informations- und Beratungsarbeit zum praktischen Umweltschutz einbeziehen. Die Erfahrungen der Experten zeigen, dass insbesondere Veranstaltungen zu konkreten Alltagsproblemen sehr effektiv sind und daher verstärkt angeboten werden sollten.

Die Studie "Umweltbewusstsein und Umweltverhalten der türkischen Migranten in Deutschland - Untersuchung zum gegenwärtigen Stand und Ermittlung von Möglichkeiten ihrer Einbeziehung" wird voraussichtlich im Frühjahr 2003 veröffentlicht werden.
Fuer weitere Informationen stehen Frau Guelay Kizilocak vom Zentrum für Türkeistudien (Telefon: 030 / 25797-007) und Herr Dr. Michael Wehrspaun vom Umweltbundesamt (Telefon: 030 / 8903-2165) zur Verfügung.

Berlin, den 12.11.2002
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