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ECO-News - die grüne Presseagentur
Presse-Stelle:
Dr. Franz Alt Journalist, D-76530 Baden-Baden
Rubrik:
Politik & Gesellschaft
Datum:
02.08.2025
80 Jahre Atomzeitalter
Am 6.August 1945 starben in Hiroshima 140.000 Menschen und kurz danach in Nagasaki 73.000.
Vor 80 Jahren warfen US-Soldaten erstmals in
de
r Menschheitsgeschichte eine Atombombe auf bewohntes Gebiet ab. Ihr Ziel am 6. August 1945, morgens um 8.15 Uhr, war die südjapanische Stadt Hiroshima.
Friedensdenkmal in Hiroshima © Bigi Alt
Nur drei Tage später fiel die zweite Atombombe auf Nagasaki. Am 6.August 1945 starben in Hiroshima 140.000 Menschen und kurz danach in Nagasaki 73.000.
Die US-Regierung rechtfertigt ihren brutalen Einsatz bis heute mit
de
m Argument, dass nur durch die beiden Atombomben
de
r Zweite Weltkrieg im Fernen Osten rasch beendet werden konnte. Nicht nur japanische, auch US-Historiker bestreiten diese These und weisen darauf hin, dass die japanische Regierung schon vorher Friedens-Signale gesendet habe und Zeichen von "Kriegsmüdigkeit".
Bis heute sind jedoch noch einmal mehr als doppelt so viele Menschen an
de
n Spätfolgen nuklearer Verstrahlung gestorben - insgesamt über 400.000. Und das Sterben geht bis heute weiter - 80 Jahre nach
de
n Atombomben.
Franz Alt in Nagasaki © Bigi Alt
Vor einigen Jahren hatten mich die Bürgermeister von Hiroshima und Nagasaki zu Vorträgen eingeladen. Mein Thema hieß "Vom Atomzeitalter ins Solarzeitalter". Wichtigere Orte zu diesem Thema gibt es wohl nicht. Ich habe dabei erfahren, dass auch in Japan die Bürgerinnen und Bürger mehrheitlich sowohl gegen Atomenergie als auch gegen Atombomben eingestellt sind.
Wer in Hiroshima und Nagasaki mit Strahlungsopfern spricht oder die beiden eindrucksvollen Gedenkstätten besucht,
de
m öffnet sich das Tor zur Hölle auf Erden. Im August 1945 geschah ein Massenmord wie ihn sich die Welt bis dahin nicht vorstellen konnte. Innerhalb von Sekunden haben sich Zehntausende von Menschen in Nichts aufgelöst, waren allenfalls ein Häufchen Asche oder für
de
n Rest ihres Lebens verstrahlt und verkrüppelt.
Am meisten erschüttert hat mich jedoch eine Zahl, die
de
r Oberbürgermeister von Hiroshima nannte: Jedes Jahr sterben heute noch in Japan über 3.000 Menschen an
de
n Folgen atomarer Verstrahlung aus
de
m Jahr 1945. Kurz vor meinem Vortrag in Nagasaki schob mir
de
r stellvertretende Oberbürgermeister noch einen handgeschriebenem Zettel zu, auf
de
n er die aktuelle Zahl
de
r in seiner Stadt bisher durch atomare Verstrahlung getöteten Menschen geschrieben hatte: 140.144! (siehe Foto)
80 Jahre danach liegen Hiroshima und Nagasaki nicht nur hinter uns, sondern noch immer auch vor uns. Es wir weiter gestorben.
Wir wissen durch die jahrelangen Diskussionen um die Atombombe für Nordkorea und
de
n Iran um
de
n engen Zusammenhang zwischen
de
r so genannten friedlichen Nutzung
de
r Atomkraft und
de
m Bau von Atombomben. In AKWs wird auch
de
r Stoff für die Bombe produziert. Ohne Atomkraftwerke gibt es - auch für
de
n Iran und für Nordkorea - keine Atombombe. Die weltweiten Störfälle in vielen Atomanlagen müssten auch die größten Atomfreunde nachdenklich machen! Solange auf
de
r Welt aber circa 400 AKWs laufen, werden skrupellose Machtpolitiker weiterhin versuchen, Atombomben zu bauen. 400 AKW sind 400 mögliche Atomunfälle. Es gibt kein einziges AKW auf
de
r Welt, das zu 100% sicher ist.
Wir müssen zudem damit rechnen, dass Atombomben eines Tages auch in die Hände von Terroristen gelangen, wenn wir das Atomzeitalter nicht hinter uns lassen. Das aber heißt: Möglichst rasch alle AKWs schließen und die Energie künftig aus erneuerbaren Energiequellen gewinnen - aus Sonne, Wind, Bioenergie, Erdwärme, Wasserkraft und Meeresenergie. Bei entsprechendem politischem Willen ist die solare Energiewende in 15 Jahren zu 100 Prozent möglich. Das Solarzeitalter beginnt. Die Sonne gewinnt.
Die Oberbürgermeister von Hiroshima und Nagasaki haben sich schon vor über 40 Jahren geschworen, dass
de
r atomare Massenmord in ihren Städten von
de
r Menschheit niemals vergessen oder verdrängt werden darf und gründeten die weltweite Organisation "Bürgermeister für
de
n Frieden",
de
r sich inzwischen
8.497 Bürgermeister
aus 166 Ländern angeschlossen haben - darunter auch die Bürgermeister von über 900
de
utschen Städten und Gemeinden, unter anderen auch Berlin, München, Hamburg und Köln, aber auch kleinere Städte wie Heidelberg oder Baden-Baden oder Trier und Mainz. Nach einer FORSA-Umfrage sprechen sich 93%
de
r
De
utschen für ein völkerrechtliches Verbot von Atomwaffen aus und 85% befürworten einen Abzug
de
r noch immer auf
de
utschem Boden gelagerten 25 Atomwaffen
de
r USA.
Das Ziel
de
r "Bürgermeister für
de
n Frieden", die inzwischen über 350 Millionen Menschen vertreten: Eine atomwaffenfreie Welt! Am 22. Januar 2021 feierte die Friedensbewegung ihren bisher größten Erfolg: Mit
de
m Inkrafttreten
de
s Atomwaffenverbotsvertrags (AVV) sind Atomwaffen jetzt völkerrechtswidrig.
De
r Internationale Gerichtshof (IGH) stellte fest, dass "eine völkerrechtliche Verpflichtung (besteht), in redlicher Absicht Verhandlungen zu führen und zum Abschluss zu bringen, die zu nuklearer Abrüstung in allen ihren Aspekten unter strikter und wirksamer internationaler Kontrolle führen." Doch bisher hat das die neun Atombomben besitzenden Regierungen nicht interessiert. Doch die Atommächte sind seither in
de
r
De
fensive - zumindest juristisch und völkerrechtlich. 122 Staaten haben sich in
de
r UNO verpflichtet, für alle
Zeit
auf Atomwaffen zu verzichten. Leider hat
De
utschland diesen wichtigen Vertrag bisher nicht unterschrieben. Doch wir wissen: Frieden ist möglich, aber auch Vernichtung. Noch haben wir die Wahl.
De
r Bürgermeister von Hiroshima optimistisch: "Da es möglich war, weltweit die Bio- und Chemiewaffen abzuschaffen, ist es natürlich auch möglich, die gefährlichsten Waffen, die Atomwaffen, abzuschaffen. Keine andere Stadt
de
r Welt soll jemals das Schicksal von Hiroshima oder Nagasaki erleiden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen aber noch viel mehr Städte und Dörfer unserem Bündnis beitreten. Bitte helfen Sie uns auch in
De
utschland dabei.
De
nn nur durch viel Druck auf die mächtigen nationalen Politiker
de
r Atombombenbesitzer können wir erreichen, dass die heute weltweit über 15.000 Atomsprengköpfe vernichtet werden. Damit kann die gesamte Menschheit mindestens 20mal ausgelöscht werden." (Mehr über die Friedensbürgermeister:
www
.mayorsforpeace.
de
)
"Es gibt", sagt mir
de
r stellvertretende Bürgermeister von Nagasaki zum Abschied, "nicht die geringste Rechtfertigung für die atomare Geiselnahme von Städten und Dörfern. Niemals mehr darf eine Stadt zur Zielscheibe von Atomwaffen werden." Mir geht dabei die Frage durch
de
n Kopf, ob wir dieses Engagement für eine atomwaffenfreie Welt nicht auch unseren Kindern und Enkeln schuldig sind?
Atomwaffen sind Terrorwaffen, von
de
nen auch noch heute 25 in
De
utschland lagern - mit
de
r Zerstörungskraft von jeweils 5 Hiroshimabomben! Es ist wohl die größte und gefährlichste Illusion
de
r Menschheitsgeschichte, dass wir mit Atomwaffen auf Dauer Frieden sichern können.
2007 starb
de
r Bomber-Pilot von Hiroshima,
de
r US-Soldat Paul Tibbets. Noch kurz vor seinem Tod sagte er: "Ja, ich würde es wieder tun. Ich hatte
de
shalb keine schlaflose Nacht". Bis heute hat sich kein US-Präsident in Japan für die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki und für
de
n Massenmord entschuldigt.
2018 hatte mich auch
de
r Bürgermeister von Fukushima zu einem Vortrag vor 400 japanischen Bürgermeistern eingeladen. Mein Thema hieß - wie zuvor in Hiroshima und Nagaski - "Vom Atomzeitalter ins Solarzeitalter". Dabei fragte ich
de
n Fukushima-Bürgermeister,
de
r soeben vom havarierten AKW gekommen war, was passieren würde, wenn er das Reaktorinnere betreten würde. Seine Antwort: "Nach Sekunden wäre ich Asche".
2020 suchte die ganz Welt nach einem Impfstoff gegen die Corona-Pandemie.
De
n Impfstoff gegen die atomare Pandemie und gegen die fossile Pandemie haben wir schon lange: Erneuerbare Energien.
Kriege sind ein Verbrechen an
de
r Menschheit. Ein Atomkrieg wäre wohl
de
r letzte Krieg,
de
nn danach gäbe es wahrscheinlich keine Menschen mehr, die noch einen Krieg führen könnten.
De
r Mahnruf
de
s bisher missachteten Gewissens heißt: Vergesst nicht die Lehren
de
r vier großen Atomkatastrophen in Hiroshima, Nagasaki, Tschernobyl und Fukushima.
Die Bürgermeister von Hiroshima, Nagasaki und Fukushima sagten mir, dass sie allein eine atomwaffenfreie Welt und eine Welt ohne AKWs nicht schaffen. Dazu brauchen sie die Unterstützung vieler Kollegen und Kolleginnen in
de
r ganzen Welt. Immerhin haben 2017 122 UNO-Staaten die Abschaffung aller Atomwaffen gefordert. Aber alle neun Atombomben-Regierungen haben dagegen gestimmt. Leider auch die
de
utsche Bundesregierung in
de
r UNO. Es war bisher in
De
utschland allein
de
r frühere FDP-Außenminister Guido Westerwelle,
de
r sich als Regierungsmitglied 2012 für
de
n Abzug
de
r US-Atomwaffen aus
De
utschland aussprach. Wahrscheinlich müssen sich noch viel mehr
de
utsche Bürgermeister dafür einsetzen bis auch die Bundesregierung in Berlin sich dafür ausspricht. Damit könnte
De
utschland zeigen, dass es aus seiner Geschichte nach 1945 tatsächlich etwas gelernt hat.
Seit 2000 Jahren gilt
de
r altrömische Grundsatz "Wer Frieden will, muss
de
n Krieg vorbereiten". Das Ergebnis dieser Politik: 2000 Jahre lang Kriege, Massenmord und unendliches Leid. Auf Grund dieser Erfahrungen müssen wir endlich diese Philosophie entwickeln: "Wer Frieden will, muss
de
n Frieden vorbereiten". Also abrüsten und nicht aufrüsten, wie es auch die
de
rzeitige Bundesregierung tut, indem sie immer mehr Geld in die Rüstung steckt, vor allem, um
de
n US-Präsidenten zu beruhigen.
Die USA geben mehr als achtmal mehr Geld für Rüstung und Militär aus als Russland und dreimal so viel wie China. Wer bedroht hier eigentlich wen? Mit einem Zehntel
de
r weltweiten Militärausgaben könnten wir dafür sorgen, dass kein Kind mehr verhungern muss. Und mit einem weiteren Zehntel könnten wir dafür sorgen, dass alle Kinder zur Schule können. Wären dies nicht lohnendere Ziele als ein neues Wettrüsten zu beginnen, wie es die USA, China und Russland, aber auch
De
utschland gerade wieder tun? Wann endlich lernen wir, dass nicht Hass und wettrüsten
de
r Sinn unseres Hierseins ist, sondern friedliches Zusammenleben?
Die Ankündigung
de
r NATO, 2026 neue Mittelstreckenraketen in
De
utschland zu stationieren, die konventionell und atomar bestückt werden können, muss uns beunruhigen. Die Eskalationsspirale dreht sich weiter. Das Atomkriegsrisiko ist heute wieder so hoch wie während
de
r Kuba-Krise Anfang
de
r Sechziger, sagt die Weltuntergangsuhr (Doomsday Clock)
de
s Bulletin of the Atomic Scientists in
de
n USA, sie steht auf 89 Sekunden vor 12 Uhr. Es fehlt nicht mehr viel bis wir Menschen uns selbst zerstören.
Reden
de
s Präsidenten (Bürgermeister von Hiroshima)
und
de
s Vizepräsidenten (Bürgermeister von Nagasaki
) auf
de
r dritten Sitzung
de
s Vorbereitungsausschusses für die
Elfte Konferenz zur Überprüfung
de
s Vertrags über die Nichtverbreitung von Kernwaffen
Diskussion
Login
Kontakt:
Dr. Franz Alt
Email:
franzalt@sonnenseite.com
Homepage:
http://
www
.sonnenseite.com
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