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Dr. Franz Alt Journalist
ECO-News - die grüne Presseagentur
Presse-Stelle:
Dr. Franz Alt Journalist, D-76530 Baden-Baden
Rubrik:
Umwelt & Naturschutz
Datum:
06.06.2025
Was ist wichtiger: Biodiversität oder das Weltklima?
Wir sollten Klimaschutz und Artenvielfalt nicht gegeneinander ausspielen.
Biodiversität umfasst die Vielfalt des Lebens in unseren Feldern, Wiesen und Wäldern, eine breite Palette von Pflanzen, Tieren, Mikroorganismen, Pilzen und Ökosystemen. Sie ist fundamental für unsere Umwelt und damit für das Leben auf unserem Planeten.
Starke Biodiversitäts-Verluste könnten dauerhaft unser Ernährungssystem gefährden. Der Schweizer Agrarwissenschafter Urs Niggli beziffert den Wert der Bestäubungsleistung der Insekten pro Jahr auf mehrere Hundert Milliarden US-Dollar.
Dazu kommen verschiedene andere überlebenswichtige Ökosystem-Leistungen, die Fähigkeit der Böden, versickerndes Wasser zu reinigen oder Landschaften und Wälder in Oasen der Erholung zu verwandeln.
Weltweit haben wir in den letzten 25 Jahren 80 Prozent der Insekten verloren. Ursachen hierfür sind die vielen Monokulturen und der Flächenverbrauch für Häuser, Straßenbau und neue Fabriken, aber auch die zunehmende Vergiftung der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Wir haben zu wenig Hecken, Blühwiesen und Brachen und artenreiche Wälder. Sie können Dürre viel besser überstehen als Monokulturen. Der "Spiegel" meint deshalb, dass der Erhalt der Biodiversität noch wichtiger sei als die Rettung des Weltklimas.
Die Schauspielerin Maria Furtwängler nachdem sie für die ARD eine Dokumentation über das Insektensterben produziert hatte: "Bei der Klimakrise stellt sich die Frage, wie wir als Menschen weiterleben. Bei der Biodiversitätskrise stellt sich die Frage, ob wir als Menschen weiterleben. Wir wissen, dass etwa 75 Prozent unserer durch Feldernte gewonnen Nahrungsmittel von der Bestäubung durch Insekten abhängig sind und 95 Prozent unserer Ernährung von gesunden Böden."
Hörzu, Nr. 39, 2024, Seite 9
.
Doch wir verlieren hauptsächlich wegen der vorherrschenden Chemie-Landwirtschaft gerade den Boden unter unseren Füßen. Was müssen unsere Böden mit Pestiziden, Herbiziden und Fungiziden alles schlucken und was schlucken wir mit? Auch Glyphosat ist überall, obwohl es im Verdacht steht, krebserzeugend zu sein. Aber auch Parkinson kann durch Glyphosat verursachst werden. Nach neuesten Forschungen gibt es in unseren Böden mehr Mikroplastik als in den Meeren. Der Schauspieler Hannes Jaenicke in seiner
ZDF-Serie "Im Einsatz für Erde"
über den Boden: "Eine bodenlose Zukunft können wir uns nicht leisten."
Insekten bestäuben nicht nur Pflanzen, sie lockern die Böden, entsorgen Kot und erhalten die Fruchtbarkeit der Böden. In der EU sind bereits 60 Prozent der Böden nicht mehr gesund. Die Leistungen, welche die Natur für alle Lebewesen erbringt, sind unersetzlich. Der Einsatz von Pestiziden beschädigt ebenfalls die Artenvielfalt. Ein Weiter-so in der Landwirtschaft zerstört die Landwirtschaft langfristig.
Das Argument der konventionellen Bauernlobby, die reine Biolandwirtschaft könne die demnächst zehn Milliarden Menschen nicht ernähren, bedeutet, dass unsere Alternative heißt: verhungern oder vergiften? Homo sapiens sollte doch wohl einen Ausweg finden: ohne weniger Fleischkonsum wird es freilich nicht gehen. Der tropische Regenwald ist besonders artenreich. Seine Rodung für das Tierfutter der reichen Länder führt - außer den negativen Klimaeffekten - auch zu einem dramatischen Verlust der Biodiversität.
Der Gründungsdirektor des
Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung Christian Wirth
: "Eine artenreiche Wiese, in der es blüht, brummt und zwitschert, ist nicht nur schön anzusehen und bietet vielen Insekten Nahrung, die unsere Feldfrüchte bestäuben, sie pumpt auch dreimal mehr Kohlenstoff in den Boden und hilft etwas gegen den Klimawandel zu tun. Das ist eine wichtige Botschaft für Gesellschaft und Politik: Eine nachhaltige Bewirtschaftung von Ökosystemen lohnt und rentiert sich." Auf die Frage, ob die Biodiversitätskrise zu überwinden sei, sagt Christian Wirth: "Wie der Klimawandel wird uns dieses Problem am Schlafittchen halten - wir werden es nicht los. Wir brauchen die Natur: für sauberes Wasser, Lebensmittel, gute Luft, für unsere psychische und körperliche Gesundheit. Es geht hier um die Bewahrung eines Lebenserhaltungssystems. Wir müssen das Problem lösen, ob wir wollen oder nicht, und das werden wir auch mit unserer Kreativität schaffen".
Süddeutsche Zeitung, 1. Oktober 2024
.
Weil der Platz auf unserem Planeten begrenzt ist, bleiben immer weniger Orte und unberührte Natur, wo Tiere und Pflanzen sich ohne Eingriffe durch Menschen entwickeln und erholen können. Monokulturen sind das Gegenteil von Vielfalt - sie sind weniger resistent. Ein Beispiel: Nach dem zweiten Weltkrieg wurden in Deutschland überall Fichtenwälder angepflanzt. Aber durch einige extreme Hitzesommer sind ganze Fichtenwälder abgestorben. Mischwälder hingegen sind mit der Hitze besser zurechtgekommen.
Auch 60 Prozent der heimischen Schmetterlinge sind in Deutschland bereits verschwunden. Autofahrer kennen das: Die Windschutzscheibe musste noch vor 50 Jahren bei jeder Tankfüllung von Insektenkadavern gereinigt werden. Heute fragt kein Tankstellenhelfer mehr danach. Seit 400 Millionen Jahren kriechen, fliegen und krabbeln Insekten über unseren Planeten - lange vor den Dinos. Sie sind die Basis allen Lebens. Doch heute sind diese Alleskönner vom Aussterben bedroht.
Für eine echte Trendwende müssen wir die Natur verstärkt wiederherstellen. Vor allem aber müssen wir lernen, mit der Natur zu wirtschaften - nicht gegen sie. Das kann auch bedeuten, dass wir ökologische Folgekosten in Wirtschaftsberichten bilanzieren. Vor allem müssen neue biodiversitätsbasierte Landnutzungssysteme entwickelt werden. Moderne Technologien können hierbei helfen.
Eine nachhaltige Landwirtschaft ist die Hüterin der Biodiversität.
Was jede und jeder im Garten oder auf dem Balkon tun kann. Der Naturschutzbund Nabu hat diese fünf Tipps um Zufluchtsorte für Insekten zu schaffen
:
Erstens: Einen Mix von kleineren Blumen und Kräutern anpflanzen.
Zweitens: Keine künstliche Beleuchtung, denn die Hälfte der Insekten sind nachtaktiv.
Drittens: Bitte Pestizide, Herbizide und Fungizide meiden.
Viertens: Nistplätze schaffen.
Fünftens: Vor allem auf kleineren Balkons auch vertikal pflanzen, also Kletter- und Rankpflanzen an der Fassade einpflanzen.
Hörzu, Nr. 39, 2024, Seite 8
Zwei positive Entwicklungen zur Biodiversität hierzulande
: Im Wald gibt es heute mehr Mischwälder als am Ende des 20. Jahrhunderts sowie eine Abkehr von der Monobewirtschaftung und es gibt mehr Totholz, was gut für die Biodiversität ist. (TAZ, 1. Oktober 2024). Totholz, das kann man bei jedem Waldspaziergang beobachten, ist ein wertvoller Lebensraum für viele Arten. Deshalb ist es wichtig, dass nicht jeder abgestorbene Baum sofort weggeräumt wird. Auch die EU belohnt heute mehr als früher Maßnahmen, welche die Biodiversität schützen.
Und
: Wird auf ehemaligen Ackerflächen ein Solarpark errichtet, steigt die Anzahl und die Vielfalt an Pflanzen und Tieren deutlich an. So konnten in PV-Freiflächenanlagen über 350 unterschiedliche Pflanzenarten und eine Vielzahl von Vogel-, Reptilien- und Insektenarten nachgewiesen werden. "Es ist erstaunlich, welche Vielfalt sich innerhalb kurzer Zeit in Solarparks entwickelt. Wir konnten in den Anlagen 30 verschiedene Heuschreckenarten nachweisen und 34 unterschiedliche Tagfalterarten. Dies zeigen vorläufige Ergebnisse, wir gehen davon aus, dass wir noch viele positive Entwicklungen zum Beispiel bei Amphibien und Vögeln dokumentieren werden", sagte Dr. Tim Peschel. Die vorläufigen Ergebnisse fasste Robert Busch, Geschäftsführer beim bne ( Der
Bundesverband Neue Energiewirtschaft
hat diese Studie in Auftrag gegeben) zusammen: "Mit den PV-Anlagen auf Freiflächen erzeugen wir einen Dreiklang, denn biodiverse Solarparks vereinen Artenvielfalt, Energiewende und Landwirtschaft."
Wir sollten Klimaschutz und Artenvielfalt nicht gegeneinander ausspielen. Sowohl ein lebensfreundliches Klima wie auch die Artenvielfalt sind wichtig für alles Leben auf unserem Planeten Sie sind die zwei Seiten derselben Medaille.
Wenn Landwirte es richtig machen, kann die Energiewende die Artenvielfalt fördern. Photovoltaik und Artenschutz müssen kein Widerspruch sein. Auf dem heutigen Solarpark Weesow-Willmersdorf in Brandenburg wurde früher intensive Landwirtschaft betrieben. Viele Arten waren verschwunden. Doch heute brüten zwischen den 465.000 Solarmodulen wieder Vögel. Ein Gutachten im Auftrag des Solarbetreibers, der EnBW, sagt: "Früher wurde die Fläche intensiv landwirtschaftlich genutzt. Unsere Kartierung zeigt, dass die Häufigkeit einzelner Arten, vor allem der Feldlerche, mit dem Solarpark deutlich gestiegen ist." Die Feldlerche ist in der Roten Liste als gefährdet eingestuft. Solche Großanlagen spielen eine entscheidende Rolle für die Energiewende in Deutschland.
Süddeutsche Zeitung, 4. Juni 2025
. Diese Anlage ist zugleich ein Gewinn für den Artenschutz. Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft hat auf 30 großen Solarparks gezählt. Das überraschende Ergebnis: 385 Pflanzen- , 30 Heuschrecken- 13 Fledermaus-, 36 Tagfalter- und 32 Brutvogelarten wurden erfasst. Da kommt zusammen, was zusammen gehört.
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Dr. Franz Alt
Email:
franzalt@sonnenseite.com
Homepage:
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