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ECO-News
De
utschland, D-81371 München
Rubrik:
Umwelt & Naturschutz
Datum:
28.05.2025
"Vogelzählungen liefern wissenschaftliche Datenbasis für effektiven Naturschutz"
Vor allem Brutvögel
geben
Auskunft darüber, wie es um
de
n Zustand unserer Natur bestellt ist, da sie auf Veränderungen reagieren und meist in
de
r Mitte
de
r Nahrungskette stehen
Alle sechs Jahre müssen die Mitgliedsstaaten in ihren Vogelschutzgebieten Vögel zählen und die Ergebnisse an die EU melden, so auch Rheinland-Pfalz. Diese Daten
geben
Aufschluss darüber, wie es
de
n Vögeln geht, ob Schutzmaßnahmen greifen und wie sich verschiedene äußere Einflüsse, inklusive
de
s Klimawandels, auf die Arten auswirken. Damit die Daten vergleichbar sind, braucht es einheitliche Methoden. Klimaschutzministerin Katrin Eder informierte sich über das neue Konzept
de
r Vogelschutzwarte, das unter anderem im Vogelschutzgebiet Rußheimer Altrhein erprobt und ab 2027 flächendeckend angewandt wird.
"Wenn die Stimmen
de
r Vögel verstummen, dann verändert sich mehr als nur
de
r Klang unserer Landschaft. Vor allem Brutvögel
geben
Auskunft darüber, wie es um
de
n Zustand unserer Natur bestellt ist, da sie auf Veränderungen reagieren und meist in
de
r Mitte
de
r Nahrungskette stehen. So kann man Rückschlüsse ziehen, dass es etwa weniger Insekten
gibt
, wenn weniger Insekten fressende Vögel vorhanden sind. Was auf
de
n ersten Blick nichts mit uns zu tun hat, wirkt sich oft
de
nnoch auf die Menschen aus. Weniger Insekten bedeutet etwa nicht nur weniger Vogelnahrung, sondern auch weniger Bestäubungsleistung. Und wenn es etwa weniger Eichelhäher
gibt
, bedeutet dies einen weniger schnellen Waldumbau, da
de
r Vogel viele
de
r Samen vergisst, die er als Vorrat versteckt hat - und aus diesen dann neue Bäume wachsen. In
de
r Natur
gibt
es viele komplexe Zusammenhänge. Um diese zu verstehen, brauchen wir verlässliche Daten.
De
shalb ist für einen erfolgreichen Artenschutz eine fachlich fundierte Datengrundlage so wichtig. So können wir gezielt Schutzmaßnahmen ergreifen", so Klimaschutzministern Katrin Eder am heutigen Mittwoch bei
de
r Vorstellung eines neuen Konzeptes zum Vogelmonitoring in Rheinland-Pfalz.
Dieses schafft ein landesweit einheitliches System zur Überwachung
de
r Zielarten in
de
n Vogelschutzgebieten; Zielarten sind solche Arten, zu
de
ren Schutz ein Gebiet als Vogelschutzgebiet ausgewiesen wurde.
Vogelschutzgebiete
de
cken zwölf Prozent
de
r Landesoberfläche ab
"Schon vor über 30 Jahren wurde mit
de
r europäischen Vogelschutzrichtlinie und
de
r Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ein gemeinsames Ziel formuliert:
de
n Rückgang
de
r biologischen Vielfalt in Europa zu stoppen. In Rheinland-Pfalz leisten wir hierzu einen wichtigen Beitrag: Mit 57 Vogelschutzgebieten - das sind rund zwölf Prozent
de
r Landesfläche - und stolzen 361 nachgewiesenen europäischen Vogelarten. Doch die Ausweisung von Schutzgebieten allein reicht nicht aus. Darüber hinaus brauchen wir Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen auf unseren Flächen, Kooperationen mit Landwirtschaft, Kommunen und anderen Flächennutzenden - und auch Monitoring und Erfolgskontrollen, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. So können wir Schutzmaßnahmen gezielter steuern - auf Landesebene, aber auch international", so Klimaschutzministerin Eder. Die Daten werden über
de
n Bund auch an die EU übermittelt, um international
de
n Schutz
de
r Vögel, vor allem von Zugvögeln, zu stärken.
Vogelkundler tragen Beobachtungen und Gesang in Karten ein
Was genau beim Vogelmonitoring passiert, erklärte Dr. Christian Dietzen von
de
r Staatlichen Vogelschutzwarte Rheinland-Pfalz, die am Landesamt für Umwelt (LfU) angesiedelt ist: "Wir erfassen beim Monitoring Brut- und Rastvögel. Dazu haben wir unterschiedliche Methoden, eine davon ist die Revierkartierung, die insbesondere für die Erfassung
de
r Gesamtbestände zum Einsatz kommt. Die Ornithologen suchen die verschiedenen Lebensräume, wie Gewässer und Uferzonen, Wiesen und Felder sowie Wälder, innerhalb
de
s Vogelschutzgebiets auf und markieren auf Karten, welche Art sie wo entweder gesehen oder gehört haben. Das alles erfolgt bei gutem Wetter,
de
nn Regen und Wind stören die Erfassung und während
de
r jeweiligen Balzzeit
de
r einzelnen Vogelarten. Man muss vorher also wissen, wann die Arten besonders aktiv und gut zu erfassen sind, das heißt wann sie bevorzugt singen oder wann Zugvögel aus ihren Winterquartieren zurückkommen."
Nachdem das Land Rheinland-Pfalz vor rund 2,5 Jahren eine eigene Staatliche Vogelschutzwarte etabliert hat, konnte diese ein Konzept für die Bestandserfassung
de
r Vogelarten in
de
n Vogelschutzgebieten erstellen. So können erstmals die Bestände
de
tailliert erfasst werden, wodurch sich die Datenqualität
de
r Ergebnisse, die alle sechs Jahre an das Bundesamt für Naturschutz (BfN) gemeldet werden müssen, zukünftig stark verbessern wird. Bisher beruhten die Ergebnisse zum großen Teil auf Schätzungen. Die nächste Meldung steht für das Jahr 2031 an.
De
shalb wird das neue Konzept nun im Vogelschutzgebiet "Rußheimer Altrhein" und weiteren neun Vogelschutzgebieten erprobt und ggf. angepasst, um dann ab 2027 in allen rheinland-pfälzischen Vogelschutzgebieten angewandt zu werden.
Alle Daten
geben
Aufschluss darüber, wie sich die Bestände entwickeln, also ob eher mehr oder eher weniger Paare oder Individuen einer bestimmten Art in
de
n Vogelschutzgebieten vorkommen. Oder auch, ob sich eine Art in einem Gebiet neu ansiedelt, wenn sich etwa Flugrouten oder Lebensräume so verändert haben, dass die Art hier nun Brutraum und Nahrung finden kann. Die Daten zur Verteilung
de
r Arten im Gebiet liefern daher auch Informationen für Entscheidungen, wo Bauvorhaben umgesetzt werden können. Zudem lassen sich Rückschlüsse über die Auswirkungen
de
s Klimawandels auf die Artenvielfalt ziehen: "Interessant werden beispielsweise die Daten von Wasservögeln;
de
nn fallen Gewässer klimawandelbedingt trocken, fehlt ihnen ihr Lebensraum sowie ihre Nahrung", so Dietzen.
"Schutz beginnt mit Wissen. Nur was wir genau kennen, können wir auch effektiv schützen. Das Fachkonzept ist kein Papierwerk, das in
de
r Schublade verstauben soll. Es ist eine strategischer Plan und gleichzeitig ein wichtiges Werkzeug für die Zukunft
de
s Vogelmonitorings in unseren Natura 2000 Gebieten. Ich bin überzeugt, dass wir mit einem konsequenten Schutz, guter Datenlage und einem funktionierenden Miteinander von Behörden, Ehrenamt, Flächennutzern und Wissenschaft positive Entwicklungen anstoßen werden", so Katrin Eder.
Beispiele für Zielarten:
Arten besetzen unterschiedliche ökologische Nischen: Schutzmaßnahmen müssen daher gezielt wirken
Am Altrhein gehört zu
de
n Zielarten etwa das seltene Blaukehlchen. Um dieses zu schützen, sollten Gräben in
de
r offenen Landschaft möglichst mit Schilf bewachsen sein. Dort kann es seinen Gesang vortragen, um einen Brutpartner anzulocken, findet
De
ckung vor Feinden und kann am Boden und offenen Flächen in
de
n Randbereichen Nahrung suchen, wie Würmer, Insekten und
de
ren Larven. Renaturierungsmaßnahmen und Schaffung eines abwechslungsreichen Lebensraummosaiks, inklusive Wiederherstellung und Sicherung natürlicher Grundwasserstände sind wichtige Erhaltungsmaßnahmen.
Eine weitere Zielart ist
de
r Drosselrohrsänger. Drei bis fünf Brutpaare sind im Datenblatt vermerkt. Ihm zu begegnen ist daher nicht leicht, ihn zu hören schon:
De
nn er singt besonders laut. Er benötigt ausgedehnte (Alt-)Schilfbestände, die im Wasser stehen.
Wird also
de
r Uferbewuchs entfernt oder fallen Gewässer trocken, trifft man sowohl das Blaukehlchen als auch
de
n Drosselrohrsänger nicht mehr an.
De
s Weiteren lebt
de
r Mittelspecht im Vogelschutzgebiet am Rußheimer Altrhein. Damit er brüten kann, braucht er Bäume mit grober Rinde, wie beispielsweise Eichen, sowie Alt- und Totholz, das heißt abgestorbene Bäume, die noch nicht am Boden liegen. In diese hämmert er seine Bruthöhle. Um ihn zu schützen, ist also darauf zu achten, dass es alte Laub- und Mischwälder
gibt
, in
de
nen nicht alles Totholz entfernt wird, da dieses für alle Spechtarten das Nahrungsangebot verbessert. Davon profitieren weitere Arten. Nachdem
de
r Mittelspecht seine Höhle verlassen hat, ziehen dort Siebenschläfer, Fledermäuse oder andere Vogelarten ein.
Die beiden Schilf bewohnenden Arten leiden unter Lebensraumverlust durch Wassermangel. Dies ist sowohl eine Folge
de
r Bewässerung bei intensiver Landwirtschaft als auch von Dürren wegen
de
s Klimawandels. Ein weiterer Faktor ist die Lebensraumzerstörung in Folge von Flurbereinigungen und Ausräumung
de
r Landschaft. Dagegen zeigt
de
r wärmeliebende Mittelspecht eine eher positive Bestandsentwicklung, was ebenfalls Klimawandel bedingt sein könnte. Er profitiert jedoch auch von Änderungen
de
r forstlichen Nutzung, wie Extensivierungen und
de
m Belassen von Alt- und Totholz, zum Schutze
de
r Artenvielfalt.
Diskussion
Login
Kontakt:
Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität, Dietmar Brück
Email:
Dietmar.Brueck@mkuem.rlp.
de
Homepage:
http://
www
.mkuem.rlp.
de
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