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ECO-News - die grüne Presseagentur
Presse-Stelle:
Umweltbundesamt für Mensch und Umwelt, D-06844
De
ssau-Roßlau
Rubrik:
Energie & Technik
Datum:
15.03.2023
UBA-Prognose: Treibhausgasemissionen sanken 2022 um 1,9 Prozent
Mehr Kohle und Kraftstoff verbraucht - mehr Erneuerbare und insgesamt reduzierter Energieverbrauch dämpfen Effekte
Im Jahr 2022 sind die Treibhausgasemissionen
De
utschlands leicht um 1,9 Prozent gesunken. Es wurden rund 746 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt - das sind gut 15 Millionen Tonnen weniger als 2021. Insgesamt sind die Emissionen seit 1990 in
De
utschland damit um 40,4 Prozent gesunken. Insgesamt sind die Zielwerte
de
s Bundesklimaschutzgesetzes (KSG) damit zwar in Summe eingehalten, allerdings
gibt
es einen bedeutenden Anstieg beim Energiesektor: Dieser weist 10,7 Millionen Tonnen mehr auf als 2021 und liegt bei rund 256 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Grund ist, dass trotz
de
n Einsparungen beim Erdgas ein vermehrter Einsatz vor allem von Stein- und Braunkohle zur Stromerzeugung die Emissionen steigen lässt. Die gute Nachricht: Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien konnte das dämpfen, sie stieg um neun Prozent gegenüber 2021.
De
r Energiesektor kann seine Jahresemissionsmengen für 2022 von 257 Millionen Tonnen daher knapp einhalten. Die Sektoren Verkehr und Gebäude liegen dagegen wieder über
de
n im Bundes-Klimaschutzgesetz festgelegten Jahresemissionsmengen. Das geht aus
de
n aktuellen Berechnungen
de
s Umweltbundesamtes (UBA) hervor, die heute vorgestellt wurden.
© catazul, pixabay.com
UBA-Präsident Dirk Messner: "Um die Ziele
de
r Bundesregierung bis 2030 zu erreichen, müssen nun pro Jahr sechs Prozent Emissionen gemindert werden. Seit 2010 waren es im Schnitt nicht einmal zwei Prozent. Trotz
de
s insgesamt rückläufigen Energieeinsatzes vor allem in
de
r Industrie hat sich
de
r Anstieg
de
r Treibhausgasemissionen aufgrund
de
s erhöhten Einsatzes von Stein- und Braunkohlen in
de
r Energiewirtschaft seit
de
m Sommer 2022 abgezeichnet.
De
m wird die Bundesregierung jetzt mit einem wirksamen Programm entgegenwirken müssen - die Aufgabe ist aber von
de
r gesamten Gesellschaft zu bewältigen. A & O ist ein wesentlich höheres Tempo beim Ausbau
de
r erneuerbaren Energien. Wir müssen es schaffen, dreimal so viele Kapazitäten wie bisher zu installieren, um
de
n Anteil
de
r Erneuerbaren an
de
r Stromerzeugung bis 2030 auf 80 Prozent zu steigern. Eine Hängepartie wie in
de
n letzten Jahren darf es dabei nicht mehr
geben
. Wir können uns diese fatale Abhängigkeit von fossilen Energieträgern schlicht nicht leisten. Jeder Stolperstein auf
de
m Weg zu mehr Wind- und Sonnenkraft muss zügig aus
de
m Weg geräumt werden. Die
De
karbonisierung muss alle Bereiche umfassen - von
de
r Industrieproduktion über
de
n Gebäudebereich bis hin zur Mobilität und
de
r Landwirtschaft. Und wir müssen die soziale Balance wahren;
de
r Abbau klimaschädlicher Subventionen kann hier wichtige Gelder freisetzen, die wir dafür sinnvoll einsetzen können."
Im Sektor
Energiewirtschaft
sind die Treibhausgasemissionen mit rund 10,7 Millionen Tonnen bzw. 4,4 Prozent abermals angestiegen. Zum zweiten Jahr in Folge stiegen die Stein- und Braunkohleeinsätze zur Gewinnung von Strom und Wärme und damit auch die daraus resultierenden Emissionen an. Ebenso stiegen die Einsätze von Mineralölen in
de
r Energiewirtschaft, insbesondere von leichtem Heizöl. Hintergrund für diese Anstiege ist insbesondere die Kompensation
de
s gesunkenen Erdgasverbrauches, welcher 10,8 Prozent unter
de
m Vorjahreswert lag. Eine erhöhte Stromproduktion war auch als Beitrag für die Versorgungssicherheit im europäischen Ausland nötig, als etwa die Hälfte
de
r französischen Kernkraftwerke im Sommer ausfielen.
Im
Verkehr
wurden im Jahr 2022 rund 148 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente ausgestoßen. Damit liegen die Treibhausgasemissionen dieses Sektors rund 1,1 Millionen Tonnen (0,7 Prozent) über
de
m Wert von 2021 und rund neun Millionen. Tonnen über
de
r im Bundesklimaschutzgesetz für 2022 zulässigen Jahresemissionsmenge von 138,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente.
De
r Verkehr ist
de
r einzige Sektor,
de
r gleichzeitig sein Ziel verfehlt und einen Emissionsanstieg gegenüber
de
m Vorjahr verzeichnet. Trotz
de
r besonders hohen Kraftstoffpreise im Jahr 2022 und
de
r befristeten Einführung
de
s 9-Euro-Tickets im ÖPNV sind die Emissionen
de
s Straßenverkehrs wieder gestiegen. Nachdem die Corona-Einschränkungen weitgehend aufgehoben wurden, hat
de
r Pkw-Verkehr wieder leicht zugenommen. Außerdem wurden die hohen Kraftstoffpreise durch
de
n "Tankrabatt" gemindert. Obwohl 2022 bei
de
n Neuzulassungen von Elektroautos ein Rekordjahr war, reicht
de
r Zuwachs nicht aus, um die Zunahme
de
r Emissionen auszugleichen.
Nachdem 2021 im Sektor
Industrie
die nach
de
m Bundesklimaschutzgesetz festgelegte Höchstmenge noch knapp überschritten wurde, sanken die Emissionen 2022
de
utlich um 19 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente bzw. 10,4 Prozent auf 164 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Hier wirken sich die durch
de
n Krieg in
de
r Ukraine stark gesunkenen Energieeinsätze, insbesondere in
de
r metallverarbeitenden und chemischen Industrie aus. Hauptgrund für die gesunkenen Energieeinsätze und damit die gesunkenen Emissionen in
de
r Industrie sind die Energiekosten, welche im Vergleich zum Vorjahr inflations- und krisenbedingt stark angestiegen sind. Mit Ausnahme von Steinkohlen,
de
ren Einsatz sich nahezu auf
de
m Niveau von 2021 bewegt, sanken die Energieeinsätze
de
r anderen fossilen Energieträger. In Folge
de
ssen sind auch die Produktionszahlen teilweise rückläufig, insbesondere bei
de
n energieintensiven Industrien.
Bei
de
n
Gebäuden
kam es 2022 zu einer Emissionsminderung von knapp sechs Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten (minus 5,3 Prozent) auf rund 112 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Trotz dieser Emissionsminderung überschreitet
de
r Gebäudesektor, wie bereits im Vorjahr, die erlaubte Jahresemissionsmenge gemäß Bundes-Klimaschutzgesetz, die bei 107,4 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten liegt. Die Emissionsreduzierung liegt auch im Gebäudesektor wesentlich in
de
n gestiegenen Energiepreisen begründet, welche zu einer Einsparung
de
r Energieeinsätze führte. Die milde Witterung unterstützte diese Einsparung. Lediglich die Absätze von leichtem Heizöl stiegen 2022 um rund neun Prozent an, um die Lagerbestände nach
de
n geringen Heizölkäufen 2021 wieder aufzufüllen, auch in Erwartung einer möglichen Energiekriese.
Im Sektor
Landwirtschaft
gingen die Treibhausgasemissionen um gut 0,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente (minus 1,5 Prozent) auf 62 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente zurück.
De
r Sektor bleibt damit
de
utlich unter
de
r für 2022 im Bundes-Klimaschutzgesetz festgelegten Jahresemissionsmenge von 67,6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten.
De
r Rückgang ist insbesondere auf einen weiteren Rückgang
de
r Schweinezahlen und einen geringeren Einsatz von Mineraldünger zurückzuführen.
Die Emissionen
de
s
Abfallsektors
sanken gegenüber
de
m Vorjahr um rund 4,5 Prozent auf gut 4,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Damit bleibt
de
r Abfallsektor erneut unter
de
r im Bundes-Klimaschutzgesetz festgelegten Jahresemissionsmenge von 8,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten.
De
r Trend wird im Wesentlichen durch die sinkenden Emissionen aus
de
r Abfalldeponierung infolge
de
s Verbots
de
r
De
ponierung organischer Abfälle bestimmt.
Die
Emissionsdaten
de
s Jahres 2022
werden nun, wie im Gesetz vorgesehen, vom
Expertenrat für Klimafragen
geprüft.
De
r Expertenrat legt innerhalb eines Monats eine Bewertung
de
r Daten vor. Danach haben die jeweils zuständigen Ministerien laut Gesetz drei Monate Zeit, ein Sofortprogramm vorzulegen, das Vorschläge für Maßnahmen enthält, die
de
n Gebäudesektor und Verkehrssektor in
de
n kommenden Jahren auf
de
n vorgesehenen Zielpfad bringen. Die Bundesregierung arbeitet allerdings bereits an einem Klimaschutz-Sofortprogramm, das diese Anforderungen so weit wie möglich erfüllen soll.
Aktuelle Daten zu
de
n Erneuerbaren Energien
Im Jahr 2022 wurden
de
utlich mehr erneuerbare Energien genutzt als in
de
n Vorjahren. Sowohl bei
de
r Stromerzeugung als auch beim Heizen trugen erneuerbare Energien in erheblichen Umfang dazu bei,
de
n Einsatz fossiler Energieträger, insbesondere von Erdgas, zu ersetzen. In einem Jahr mit krisen- und witterungsbedingt rückläufigem Verbrauch fossiler Energieträger nahm
de
r gesamte Endenergieverbrauch aus erneuerbaren Energien im Strom-, Wärme- und Verkehrssektor
de
utlich zu. Nach
de
n Rechenvorgaben
de
r Renewable Energy Directive (RED)
de
ckten die Erneuerbare Energien mit 20,4 Prozent erstmals über ein Fünftel
de
s gesamten Bruttoendenergieverbrauchs. Im Jahr 2021 lag
de
r Anteil noch bei 19,2 Prozent.
Maßgeblich für
de
n Anstieg war insbesondere das starke Wachstum
de
r erneuerbaren Energien im Stromsektor: Insgesamt wuchs die Menge an erneuerbarem Strom um knapp neun Prozent und
de
ckt nun bereits 46,2 Prozent
de
s
de
utschen Bruttostromverbrauchs (2021 waren es noch 41,2 Prozent). Vor allem die Stromerzeugung aus Photovoltaikanlagen stieg im Jahr 2022 (plus 23 Prozent)
de
utlich an. Hier machte sich sowohl
de
r starke Zuwachs im Anlagenpark als auch die sonnige Witterung mit einem historischen Höchstwert
de
r Globalstrahlung bemerkbar.
Windenergieanlagen auf Land und auf See erzeugten gegenüber
de
m sehr windschwachen Jahr 2021 ebenfalls wieder
de
utlich mehr Strom in 2022 (plus neun Prozent). Allerdings wurden die Windstromerzeugung
de
r windstärkeren Jahre 2019 und 2020 nicht erreicht. In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass
de
r Ausbau
de
r Erzeugungskapazitäten mit 2,1 GW Netto-Zubau in 2022 nur langsam wieder anzieht (nach 1,6 GW in 2021).
Auch zur Wärmeerzeugung haben die erneuerbaren Energien in 2022 verstärkt beigetragen. So stieg die absolute Menge an Bioenergieträger, Solarthermie und mittels Wärmepumpen nutzbar gemachter Umweltwärme im Vergleich zum Vorjahr leicht an (plus ein Prozent). Aufgrund
de
s milden Wetters war gleichzeitig
de
r Wärmebedarf auch
de
utlich geringer als in
de
n Vorjahren. Dies schlägt sich in einem
de
utlichen Anstieg
de
s Anteils erneuerbarer Wärme am gesamten Wärmebedarf nieder, er stieg von 15,8 auf 17,4 Prozent.
De
r Wärme- und Kältebereich steht für etwa die Hälfte
de
s gesamten
de
utschen Energieverbrauchs - die Steigerung
de
r Energieeffizienz und die Umstellung auf erneuerbare Energieträger ist
de
shalb für Energiewende und Klimaschutz von zentraler Bedeutung.
Im Verkehrssektor blieb
de
r Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Endenergieverbrauch mit 6,8 Prozent auf
de
m Niveau
de
s Vorjahres. Zwar stieg die Nutzung von erneuerbarem Strom im Verkehr durch verstärkte Nutzung von E-Mobilität
de
utlich an (plus 16 Prozent), gleichzeitig stagnierte
de
r Absatz von Biokraftstoffen. Hinzu kommt, dass insgesamt
de
r Kraftstoffverbrauch nach Ende
de
r Pandemie wieder anstieg.
Weitere Informationen:
Die vorliegenden Emissionsdaten für das Jahr 2022 sind die gegenwärtig bestmögliche Berechnung. Sie sind insbesondere auf Grund
de
r zu diesem Zeitpunkt nur begrenzt vorliegenden statistischen Berechnungsgrund€lagen aber mit entsprechenden Unsicherheiten verbunden. Die Berechnungen leiten sich aus einem System von Modellrechnungen und Trendfortschreibungen
de
r im Januar 2023 veröffentlichten
de
taillierten Inventare
de
r Treibhausgasemissionen
de
s Jahres 2021 ab.
Die vollständigen, offiziellen und
de
taillierten Inventardaten zu
de
n Treibhausgasemissionen in
De
utschland für das Jahr 2022 veröffentlicht das UBA im Januar 2024 mit
de
r Übermittlung an die Europäische Kommission.
Weitere Informationen und Links finden Sie
hier
.
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Kontakt:
Umweltbundesamt für Mensch und Umwelt
Email:
buergerservice@uba.
de
Homepage:
http://
www
.umweltbundesamt.
de
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