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Presse-Stelle:
ECO-News
De
utschland, D-81371 München
Rubrik:
Geld & Investment
Datum:
19.07.2022
Gemeinwohl statt Profite: Studie zeigt, was kooperatives Wirtschaften ausmacht
Zivilgesellschaftliches Wirtschaften zielt auf das Gemeinwohl, teilt Eigentum gemeinschaftlich und fördert Transparenz
Sozialunternehmen, Genossenschaften, Bürgergesellschaften oder Vereine: Was solche Formen kooperativen Wirtschaftens ausmacht und wie sie
de
n sozialen und ökologischen Wandel
de
r Gesellschaft voranbringen können, untersucht das Forschungsprojekt Teilgabe mit Förderung vom Bundesforschungsministerium. Die Forschenden vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung,
de
r Universität Hamburg,
de
r Universität zu Köln und
de
r Genossenschaft Innova zeigen nun: Neue Wirtschaftsformen bauen neue kollektive Eigentumsstrukturen auf und orientieren sich stark an ihren Zielgruppen. Sie setzen mehr auf das Gemeinwohl als auf Profite und handeln mit einem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein gegenüber
de
r Öffentlichkeit besonders transparent. Die Ergebnisse wurden in
de
r Zeitschrift für Gemeinwirtschaft und Gemeinwohl vorgestellt.
Teilgabe-Projektleiter Christian Lautermann vom IÖW erklärt: "Die klassische Einteilung in Markt, Staat und Non-Profit-Sektor macht neue Formen
de
s Wirtschaftens unsichtbar. Dabei
gibt
es immer mehr Unternehmungen, die konkrete Zielgruppen und das Gemeinwohl fördern wollen und die dabei sowohl am marktlichen Wettbewerb teilnehmen als auch in zivilgesellschaftlichen Verbünden kooperieren. Damit wirtschaften sie jenseits
de
r klassischen Sektorenlogik".
Kooperatives Wirtschaften: von Bürgerenergiegenossenschaften über Solidarische Landwirtschaft hin zu Plattform-Kooperativen
Die Forschenden haben einen Analyserahmen entwickelt, um kooperatives Wirtschaften sichtbar zu machen und haben dafür aus zentralen Diskursen zur Zivilgesellschaft und
de
m Non-Profit- bzw. Dritten Sektor, zum Genossenschaftswesen sowie zum Sozialunternehmertum zehn übergeordnete Kernmerkmale kooperativen Wirtschaftens herausgearbeitet.
IÖW-Wissenschaftlerin Carla Young erläutert: "Gemeinschaftlich geteiltes Eigentum als ein Merkmal kann zu neuen Organisationsformen für die gemeinsame Bewirtschaftung von Ressourcen führen, etwa Bürgerenergiegenossenschaften. Die Handlungsweise
de
r Civic Action als ein weiteres Merkmal bedeutet unter anderem, dass auch beim Wirtschaften gewaltfreie Aushandlungen das gemeinsame Ideal darstellen und soziale Inklusion angestrebt wird."
Das Merkmal
de
r Bedarfswirtschaft zeichnet Wirtschaftsweisen aus, die nicht auf Wachstum orientiert sind, sondern Ziele erfüllen, die für Mensch und Erde verträglich sind. Ein Beispiel sind die neuen Initiativen
de
r Solidarischen Landwirtschaft. Diese entziehen
de
n Gemüseanbau
de
r Marktlogik und ermöglichen somit an Bedarfe angepasste Produktion. Verantwortung für die Öffentlichkeit übernehmen kooperativ wirtschaftende Akteure, indem sie ihre Stakeholder weit fassen und sich in
de
r Pflicht sehen, ihr Handeln
de
r breiten Öffentlichkeit gegenüber transparent zu machen. "Diese Gemeinwohlorientierung treibt die Akteure kooperativen Wirtschaftens dazu an, das große Ganze immer mitzudenken", so Young.
Die Bewegung
de
s Plattform-Kooperativismus zeigt ebenfalls, wie kooperatives Wirtschaften aussehen kann. In
de
r CoopCycle-Fö
de
ration etwa haben sich mehr als 30 Fahrradkurier-Kollektive zusammengeschlossen, um gemeinsam eine Plattform-Infrastruktur für Letzte-Meile-Lieferungen zu nutzen. Die Fö
de
ration fördert so Emanzipation - lokale Initiativen werden dabei unterstützt, sich selbstbestimmt zu organisieren und faire Arbeitsbedingungen zu ermöglichen.
Zivilgesellschaftliches Wirtschaften kann
de
n sozial-ökologischen Wandel voranbringen
Um
de
n sozialen und ökologischen Wandel voranzutreiben, muss zivilgesellschaftliches Wirtschaften bekannter, und
de
ssen Merkmale müssen bewusster umgesetzt werden und mehr Verbreitung finden, auch bei konventionellen Wirtschaftsakteuren, so die Empfehlung
de
r Forschenden. Verbundwirtschaftliche Kooperationen können dabei helfen, wertvolle Ressourcen besser in Kreisläufen zu führen. Bedarfswirtschaft als Handlungsmaxime kann helfen, blindes Wachstumsstreben zu vermeiden und mehr
de
mokratische Mitwirkung beim Wirtschaften kann dafür sorgen, dass soziale und ökologische Ziele vor Profitziele gestellt werden.
Impulse für Politik, Wissenschaft und Wirtschaft
Die Forschenden richten sich mit
de
n Merkmalen kooperativen Wirtschaftens an Politik, Wissenschaft, Akteure kooperativen Wirtschaftens selbst sowie an alle Unternehmen, die ihre Rolle in
de
r Zivilgesellschaft bewusster gestalten wollen. Die Forscher*innen
geben
de
n Akteuren zivilgesellschaftlichen Wirtschaftens Orientierungen an die Hand, anhand
de
rer sie ihre Praktiken reflektieren können. Für die Politik und die Wirtschaftsförderung bieten sie Grundlagen, um die Qualitäten alternativer Wirtschaftsweisen verstehen und bewerten zu können. Dies schafft Möglichkeiten, transformative Wirtschaftspraktiken mittelfristig etwa über das öffentliche Beschaffungswesen aktiv zu unterstützen.
Mehr Informationen:
zu
de
m Artikel "Kooperatives Wirtschaften für das Gemeinwohl in
de
r Zivilgesellschaft"
(Johannes Blome-Drees, Philipp
De
gens, Burghard Flieger, Lukas Lapschieß, Christian Lautermann, Joschka Moldenhauer, Jonas Pentzien, Carla Young (2021): Kooperatives Wirtschaften für das Gemeinwohl in
de
r Zivilgesellschaft, in: Z'GuG Zeitschrift für Gemeinwirtschaft und Gemeinwohl (Jg. 44/4), Seite 455-485)
zu
de
m Projekt "Teilgabe - Die bürgerschaftliche, genossenschaftliche und sozialunternehmerische Schaffung und Gestaltung von gemeinwohlorientierter Versorgung"
Diskussion
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Kontakt:
Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Dr. Carla Young
Email:
carla.young@ioew.
de
Homepage:
http://
www
.ioew.
de
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