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Rubrik:Essen & Trinken    Datum: 15.10.2010
Ecuador: Gegen den Hunger
Die indigenen Kichwa im ecuadorianischen Amazonasbecken haben ihren Weg gefunden, ihre Ernährung zu sichern und ihr spezielles Wissen über Nutz-, Medizinal-, und Kulturpflanzen zu retten
Gastbeitrag von Oliver Hölcke aus Ecuador zum WELTERNÄHRUNGSTAG am 16. Oktober 2010

Laut dem Statistikinstitut INEC leben 35% der Bevölkerung Ecuadors in Armut. Der Anteil der extrem armen Bevölkerung liegt bei 15,5%. Im ländlichen Raum beträgt die Armut 60% und die extreme Armut 35%. Zudem leidet laut einem Weltbank-Bericht von 2010 jedes vierte Kind unter fünf Jahren unter chronischer Fehlernährung, 6% haben Untergewicht. Besonders betroffen sind indigene und Afro-Ecuadorianische Kinder, die in den ländlichen Gebieten in der Sierra, an der Küste oder im Amazonasbecken aufwachsen.

Rukullakta liegt im Amazonasbecken von Ecuador. Gut eine halbe Autostunde von der Provinzstadt Tena entfernt. Nur mühselig über einen Schotterweg gelangt man an den unterschiedlichsten Plantagen vorbei in eine Ansiedlung, in der es weder Hostels, Internetcafés, geschweige denn einen Supermarkt mehr gibt. In dem fast 42tausend Hektar umfassenden Gebiet, das im Biosphärenreservat Sumaco liegt, leben rund 6000 Angehörige des Volkes der Kichwa. Hier hat sich 2006 die Organisation der "Pueblo Kichwa de Rukullakta" (PKR) aus 17 indigenen Gemeinden formiert. Sie engagieren sich für eine Landwirtschaft, die nicht nur die anbauenden Familien sättigt, sondern auch noch so viel abwirft, daß die Produkte auf den umliegenden Märkten als zusätzlicher Verdienst verkauft werden können.

Das alles mit einem pestizidfreien Anbau auf ihrem traditionellen Ackerland, den Chacras. Mit den Chacras, die sowohl an Steilhängen, an Flüssen oder in der Ebene liegen können, führen die Kichwa die natürliche Agrobiodiversität ihres Landes fort. Scheinbar wild durcheinander wachsen auf relativ kleinen Anbauflächen bis zu 130 verschiedene Pflanzenarten, darunter Banane, Papaya, rote und weiße Wurzeln, Spinat, sieben verschiedene Kartoffelarten, Erdnüsse oder Yukka. Der Boden bleibt durch diese Kombination fruchtbar, ein künstliches Bewässerungssystem ist wegen des konstanten Regenfalls nicht nötig und die Pflanzen bleiben widerstandsfähig gegenüber Schädlingen.


Diese Anreicherung der Agrobiodiversität trägt zur Nahrungssicherung, zur abwechslungsreicheren Ernährung , zur Erhaltung der Artenvielfalt sowie zur kulturellen Vielfalt bei. Mit den Chacras beweisen die Kichwa, daß eine Landwirtschaft, auch ohne Monokultur, Abholzung, Begradigung oder chemische Keulen, nachhaltig hunderte Familien satt macht. Hier funktioniert die Nahrungssicherung auch biodivers.


Gloria Chimbo ist 52 und lebt mit ihrem Mann und sechs Kindern in Rukullakta. Sie ist heute mit ihrer Familie und Nachbarn auf die Messe "Feria de Agrobiodiversidad" in Rukullakta gekommen und hat ihre Produkte auf einem kleinen Holztischchen drappiert. "Im Garten habe ich niemals in meinem Leben chemische Düngemittel benutzt. Die Chemie zertört unsere Gesundheit und ist gegen unseren Brauch und unsere Tradition", sagt die Kleinbäuerin. Sie ist hier auf der Messe, um nicht nur ihre rund 40 verschiedenen Frucht- und Gemüsearten zu verkaufen, sondern vielmehr, um die Samen mit anderen Kleinbauern aus der Gegend auszutauschen. Sie gibt dabei ihr Wissen über Anbaumethoden und Ernte an die anderen weiter und informiert sich wiederum bei den anderen, wie sie es machen.


Auch einige der 270 Schüler der "Humanístico Intercultural Bilingüe de Porotoyaku", auf dessen Schulgelände die Messe statt findet, haben hier ihren Stand. In ihrer Schule steht seit vier Jahren "Agrobiodiversität" auf dem Stundenplan. Ihr Lehrer Ricardo Batolo hat mit ihnen nicht nur einen botanischen Garten angebaut, in dem sie all die Pflanzen der Umgebung kultivieren, sondern auch ein kleines Labor aufgebaut, in dem sie u.a. lernen ihre Früchte zu verarbeiten. "Zum einen fehlt uns aber Platz für die Geräte, und es fehlen uns auch Instrumente und Werkzeuge, um zum Beispiel eindeutige Bodenanalysen durchführen zu können" sagt Batolo.


Auch auf der Messe zu finden ist die COFENAC. Die nationale Organisation der Kaffeeindustrie. Ein Unternehmen, das landesweit mit 105.000 Kleinbauerfamilien zusammenarbeitet und den Ecuadorianischen Kaffee exportiert. In dieser Gegend engagiert sich COFENAC, weil "wir es unterstützen wollen, daß die Kichwa ihre kulturelle Identität, aber auch ihre umweltfreundliche und traditionelle Landwirtschaft pflegen", wie Guido Farfan der lokale Vertreter der Organisation versichert. COFENAC hat daher mit der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) ein Abkommen getroffen. Die GTZ arbeitet im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und unterstützt COFENAC dabei, die Qualität des Kaffees zu erhöhen, aber auch die Werte und Kaffeekultur der Kichwa zu retten. "In Rukullakta wächst ein organisch angebauter Kaffee, der sich auf dem Fair-Trade Markt gut verkaufen lässt, weil er eben auch zertifiziert ist" ergänzt Farfan.


Rukullakta liegt in der Provinz Napo, die weltweit zu den größten Anbaugebieten der Frucht Naranjilla (Lulo) gehört. Naranjilla wird hauptsächlich in Ecuador und Kolumbien zu Saft oder Marmelade verarbeitet. Zum Anbau wird eine grosse Menge Wald abgeholzt. Außerdem ist die Pflanze empfindlich gegenüber Pilzen und anderen Krankheiten. Die Industrie-Plantagen arbeiten daher alle ausnahmslos mit Pestiziden. "Hier wird die Gesundheit der Produzenten, aber auch der Konsumenten aufs Spiel gesetzt. Sie ernten hier Naranjillas, die extrem vergiftet sind." sagt Marco Cajamarca, der als Agrarökonom für das nationale unabhängige, landwirtschaftliche Institut INIAP arbeitet. Gemeinsam mit der GTZ versucht man nun, den organischen Anbau zu fördern und resistente Pflanzen zu entwickeln und eine nachhaltige Wertschöpfungskette aufzubauen, die nicht nur die Umwelt schont, sondern auch den Kleinproduzenten ihr Einkommen sichert.

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