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ECO-News - die grüne Presseagentur
Presse-Stelle:
Wissenschaftsladen Bonn e.V., D-53113 Bonn
Rubrik:
Gesundheit & Wellness
Datum:
01.09.2005
Bonn: 32 Kindergärten und Grundschulen gefährlich dicht an Mobilfunkanlagen?
Untersuchung des Wissenschaftsladen Bonn ergab: Informationen von Stadt und Bund zu Sendemasten sind unzureichend
32 Kindergärten und Grundschulen in Bonn sind weniger als 150 Meter von Mobilfunkanlagen entfernt. Das ergab eine Untersuchung des Wissenschaftsladen Bonn. "In allen diesen Fällen müsste man prüfen, ob die Kinder Strahlung ausgesetzt sind, die über international anerkannten Vorsorgewerten liegt", sagt Dr. Klaus Trost, Elektrosmog-Experte des Wissenschaftsladen Bonn. Der Wissenschaftsladen Bonn, mit 25 Mitarbeitern der größte der 58 europäischen Wissenschaftsläden, bereitet wissenschaftliche Erkenntnisse praxisnah für Verbraucher auf.
Betreiber und Kommunen werden eigenem Anspruch nicht gerecht
Trosts Fazit: "Die freiwillige Selbstverpflichtung der Mobilfunkbetreiber, die Sendeanlagen nicht in der Nähe von sensiblen Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten aufbauen wollten, greift offenbar schon heute nicht." Dabei wird sich die Situation überall in Deutschland durch den UMTS-Ausbau noch verschärfen. Allein in Bonn wird die Zahl der Sendeanlagen in den nächsten Jahren von 400 auf 600 steigen. Bundesweit kommen zu den vorhandenen rund 40.000 Sendestandorten mindestens noch einmal 10.000 neue Sendemasten dazu. Deshalb müssten Stadt und Betreiber ihre selbst formulierte Vorsorge- und Informationspflicht gegenüber den Bürgern ernster nehmen, so der Experte des Wissenschaftsladen Bonn. Die Bonner Bürger, ergab eine Umfrage des Wissenschaftsladens bei Betroffenen und die Auswertung von Medienberichten, fühlten sich nicht ausreichend informiert und beteiligt.
Kritisch beurteilt der Wissenschaftsladen, dass die Stadt Bonn einen Abstand von 100 Metern zwischen Mobilfunkanlagen und den so genannten sensiblen Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen für ausreichend sicher hält. Trost: "Bei 100 Meter Entfernung ist die Strahlenbelastung oft am höchsten."
Auf teure Standort-Datenbank der Bundesnetzagentur ist kein Verlass
Geprüft hat der Wissenschaftsladen überdies, wie verlässlich sich Bürger über Mobilfunkanlagen in ihrer Nähe informieren können. Ergebnis: "Bürger erhalten von verschiedenen Stellen jeweils nur Teil-Informationen, die überdies nicht zusammenpassen", sagt Brigitte Peter vom Wissenschaftsladen Bonn. Bei der Datenbank der Stadt Bonn - eher besser als bundesdeutscher Durchschnitt - sind die Standorte der Sendeanlagen relativ genau verzeichnet, es fehlen aber neben der exakten Adresse alle Informationen über Stärke und Strahlrichtung der Anlagen.
Die so genannte EMF-Standort-Datenbank der Bundesnetzagentur (ehemals RegTP), auf die die Kommunen die Bürger gerne verweisen, liefert diese Informationen zwar. Doch die für Hunderttausende von Euro mit Informationen gefütterte Datenbank weist die Sendemasten oft an völlig falschen Stellen aus. Der Vergleich tatsächlicher und angeblicher Standorte von Sendemasten ergab allein für die Bonner Nordstadt bei sieben von zwölf Anlagen Abweichungen von 50 bis zu 200 Metern. Brigitte Peter: "Was nützt einem Bürger das Wissen, in welche Richtung die Sender strahlen, wenn die Masten nicht richtig verzeichnet sind?" Das wiege Bürger fälschlicherweise in Sicherheit.
Argument Datenschutz vorgeschoben - Vorbild München
Auf Anfrage des Wissenschaftsladen Bonn erklärten Bundesnetzagentur und Stadt Bonn, genaue Adressen aus Datenschutzgründen nicht veröffentlichen zu können. Die Städte München und Nürnberg z.B. geben die Standorte der Sendemasten dagegen exakt mit Straßen und Hausnummern an.
Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Information und Vorsorge
Wenn Kommunen und Betreiber auch nur ihren eigenen Anspruch in Sachen Information und Vorsorgepolitik erfüllen wollen, zu dem sie sich dem Bundesumweltministerium gegenüber verpflichtet haben, müssten sie weit mehr tun, so der Wissenschaftsladen Bonn. Dazu zählt im Wesentlichen:
- Bereitstellung von Informationen über genauen Standort, Sendeleistung, Strahlrichtung, Art der Anlage
- aktive statt reaktive Information und Beteiligung der Bürger bereits im Planungsstadium von Sendeanlagen
- Vorausschauende Standortplanung durch Nutzung städtischer Gebäude. Ziel: keine Sendeanlagen auf sensiblen Einrichtungen und Messungen bzw. Alternativplanungen, sobald der Vorsorgeabstand von 150 Meter unterschritten wird
- Einrichtung eines "Runden Tisches Mobilfunk", in dem Betreiber, Stadtverwaltung und Bürger bzw. ein Bürgeranwalt sitzen. Ziel: Erarbeitung eines vorsorgeorientiertes Gesamtkonzeptes für Stadtteile bzw. ganze Gemeinden mit Ausweisung von "Schutzgebieten" und unkritischen Standorten, Auswahl und Bestimmung von Messprogrammen an sensiblen Einrichtungen.
- Offensive Informationskampagne, mit der auf die Gesundheitsrisiken einer intensiven Handynutzung bei Kindern und Jugendlichen hingewiesen wird.
Ansprechpartner/-in:
Dr. Klaus Trost, Tel. (02 28) 201 61-32, klaus.trost@wilabonn.de
Brigitte Peter, Tel. (02 28) 201 61-27, brigitte.peter@wilabonn.de
Wissenschaftsläden arbeiten aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse konkret und verständlich auf. In-haltliche Schwerpunkte des Wissenschaftsladen Bonn e.V., 1984 gegründet, sind die Bereiche Umweltschutz und Gesundheit, Bürgergesellschaft und Nachhaltigkeit sowie Arbeitsmarkt und Qualifizierung.
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Kontakt:
Wissenschaftsladen Bonn e.V.
Email:
info@wilabonn.de
Homepage:
http://www.WilaBonn.de
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