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Vergesst die Altersheime
von Julia Grohs
Die Krux an der Zukunft ist, dass wir sie nicht kennen. Trotz aller Wahrscheinlichkeiten und Berechnungen können wir sie nur als wacklige Skizze erahnen, gezeichnet aus dem Gestern und dem Heute. Dieser Unschärfe ist sich auch der Zukunftsforscher Robert Jungk bewusst: "Ich sehe voraus, dass ich vieles unrichtig oder gar nicht werde vorausgesehen haben." formuliert er mit einem Augenzwinkern. Alle Zukunftsprognosen sind zunächst einmal nur das - Prognosen und keine Tatsachen. Interessant wird es, wenn sich im Heute mögliche Pioniere der Zukunft finden. Menschen, die Vorleben was Trend oder sogar Gesellschaftsbewegung werden könnte. Die sich gegen gängige Modelle entscheiden und so neue Wege aufzeigen. Menschen etwa, die als Pioniere andere Formen des Zusammenlebens erproben.

Zusammen ist man weniger allein.

Foto: © Fotowerk - Fotolia.com

Wohnformen entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie sind Reaktionen auf gesellschaftliche Veränderungen; Auf den Wandel von Ehe und Familie, von Geschlechterverhältnissen und Herrschaftsstrukturen. Oder aktuell auf den demographischen Wandel, dem großen sozialen Verunsicherer unserer Zeit. Bereits in den 1970er Jahren warnten Demographen vor einer Veränderung der Bevölkerungsstruktur in Deutschland und den damit einhergehenden einschneidenden Veränderungen des Sozialsystems. Heute, über 40 Jahre später, hat sich die klassische Alterspyramide zu einem pilzförmigen Gebilde entwickelt. Immer weniger arbeitende Junge finanzieren eine immer größer (und älter) werdende Menge an Senioren. Dieser Umstand hat das deutsche Sozialmodell in eine bedenkliche Schieflage und sowohl Politiker als auch zukünftige Rentner zum Nachdenken gebracht. Wer unterstützt die Alten? Noch vor zwei Generationen wäre Familie die selbstverständliche Antwort gewesen. Heute, in einer Zeit der gestiegenen Mobilität, der veränderten Arbeitswelt, aber auch der extrem gestiegenen Scheidungsraten ist das Modell "Großmutter zieht zu uns" seltener geworden. Und ist, das muss klar betont werden, von vielen Großmüttern und -vätern so auch nicht gewünscht. Senioren von heute wollen selbstbestimmt leben, wenn möglich bis ins hohe Alter in ihren eigenen 4 Wänden. Auf der anderen Seite der Alterspyramide ist die Versorgungssituation auch alles andere als optimal. Kindergarten- oder gar Krippenplätze sind rar und teuer und die Öffnungszeiten entsprechen häufig nicht den Arbeitszeiten der Eltern. Die Rolle der Vollzeit-Mama oder des Vollzeit-Papas ist ebenfalls nicht der gangbare Weg für viele junge Eltern. Also hütet Oma die Kleinen? Aber was, wenn die in Nord-Friesland wohnt, die Enkel aber in München?

Der Antrieb, sich nach Alternativen umzusehen, ist groß unter den gegebenen Umständen. Deshalb überrascht es nicht, dass in den letzten Jahren zunehmend Wohnformen entstehen, die unter dem Begriff "generationenübergreifende Wohnprojekte" zusammengefasst werden. Diese Wohnprojekte werden geplant und realisiert von einer nicht unbedingt verwandtschaftlich verbundenen Gruppe, die aus Angehörigen aus mehreren Generationen besteht. Sie sollen unterstützende Strukturen bieten, aber auch Gesellschaft und gute Nachbarschaft. Ein wichtiges weiteres Kennzeichen ist das Nebeneinander von abgeschlossenen, im Prinzip autark bewohnbaren Privatbereichen und Gemeinschaftsräumen und -flächen, die von allen Bewohnern genutzt werden. Dieses räumliche und darauf gründende soziale Nebeneinander von Privat und Gemeinschaftlich ist zentral, denn neben den Vorteilen eines gemeinschaftsorientierten Lebens wie gegenseitige Unterstützung und Kommunikation soll das Selbstbestimmungsrecht der einzelnen Bewohner durch den Privatbereich unterstrichen werden.

Aber nicht nur beim Zusammenleben wird das Prinzip der Selbstbestimmung verfolgt. Die heutigen Wohnprojekte sind häufig originäre Bottum-up Projekte, die von "unten" ein Wohnprojekt aufbauen, weil die traditionellen Bauträgerangebote nicht auf ihre baulichen und sozialorganisatorischen Anforderungen eingehen. Möglichst losgelöst von Staat, Kommunen und kommerziellen Bauträgern planen und verwirklichen die Bewohnergruppen so ihre Ideen vom gemeinschaftlichen Wohnen. Die sich von Projekt zu Projekt ganz heterogen manifestieren können. Denn unterschiedliche Rechtsformen, regionale bauliche Ausprägungen, finanzielle Spielräume und nicht zuletzt die Wünsche der Bewohnergruppe selbst- all das fließt in die Planung und Realisation eines Wohnprojekts mit ein. Grundlegend gibt es drei verschiedene Projekttypen, die für unterschiedliche Organisations-, Rechts- und Trägerformen stehen. Das Wohnen zur Miete im Investorenmodell, das Genossenschaftliche Wohnen in der bewohnergetragenen Genossenschaft und schließlich das Wohnen im Einzeleigentum in Wohnungseigentümergemeinschaften.

Die Form der Wohnungseigentümergemeinschaft verbindet mehrere Bauherren, die finanziell jeweils für ihr Haus oder auch ihre Wohnung verantwortlich sind. Es geht darum, selbstgenutztes Wohneigentum zu schaffen, dass durch den rechtlichen Zusammenschluss Einzelner günstiger und trotzdem mit großen individuellen Gestaltungsspielräumen verwirklicht wird. Zusätzlich werden im Sinne des bewohnerinternen Austausches auch gemeinschaftlich nutzbare Flächen und Gebäude geschaffen, die finanziell von allen mitgetragen werden. Die Rechtsform der Wohnungsgenossenschaft (Wohn eG) weiterhin stellt einen Weg zwischen Eigentum und Miete dar. Sie strebt im Gegensatz zum Projekttyp der Wohnungseigentümergemeinschaft kein individuelles, sondern gemeinschaftliches Eigentum an. Als Vorteile werden das hohe Maß an Mitbestimmung und die Möglichkeiten der Selbstverwaltung angesehen, die durch die demokratische Form der genossenschaftlichen Prinzipien gewährleistet wird. Da eine Genossenschaft kein eigenes Gewinninteresse haben darf, ist ihr zunächst einziges Ziel die Versorgung ihrer Mitglieder mit Wohnraum. Allerdings können auch andere Ziele, wie eine ökologische Bauweise gemeinschaftlich angestrebt werden. Das Investorenmodell ist der dritte mögliche Projekttyp. Hierbei sucht sich eine bereits organisierte Bewohnergemeinschaft einen Investor, der finanziell und teilweise auch organisatorisch für Planung und Bau zuständig ist. Im Idealfall hat der Investor bereits Erfahrung mit generationenübergreifenden Wohnprojekten. Ansonsten müssen Bewohnergemeinschaft und Träger in einem arbeitsintensiven Austauschprozess gemeinsam die verschiedenen Phasen bis zur Realisierung des Projekts meistern. Das ermöglicht im besten Fall einen nachfrageorientierten, partizipatorischen Entstehungsprozess des Gebäudes. Doch Planung und Bau sind erst der Anfang eines Aushandlungsprozesses der Bewohner über die Gestaltung ihres Wohnprojekts, der wohl nie ganz abgeschlossen sein kann. Denn Zusammenleben bedeutet auch Verhandeln über Regeln und Rechte in der Gruppe, über das richtige Verhältnis von Nähe und Distanz, über finanzielle Fragen, aber auch wer den Grill am Samstagabend benutzen darf. Dieses Bewältigen des gemeinsamen Alltags unterscheidet sich also nicht groß vom Zusammenleben in leiblichen Familien.

Weitere Informationen:

www.wohnprojektatlas-bayern.de/
www.mehrgenerationenhaus.de/
www.wohnprojekte-portal.de/wir-ueber-uns.html
www.urbanes-wohnen.de/typo3/uw/index.php?id=427


 
 
 
 
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