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Quelle:ECO-News - die grüne Presseagentur
Partner:  Umweltbundesamt für Mensch und Umwelt, D-14193 Berlin
Rubrik:Wohnen    Datum: 15.11.2001
Wenn die Wände in der Wohnung plötzlich schwarz werden
Das Phaenomen tritt seit einigen Jahren gehaeuft auf. Sein Name: "Schwarze
Wohnungen" oder "Fogging-Effekt". Seine Merkmale: Mit Beginn der Heizperiode
treten in der Wohnung ploetzlich schwarze, schmierige Belaege an Waenden,
Decken, Fenstern und Einrichtungsgegenstaenden auf. Der schmierige Film
gefaehrdet nach derzeitigem Kenntnisstand die Gesundheit zwar nicht akut,
beeintraechtigt aber die Wohnqualitaet zum Teil erheblich. Die Ablagerungen
zeigen sich nach Renovierungen - oft mit mehrwoechiger bis mehrmonatiger
Verzoegerung - oder nachdem Wohnungen in neu errichteten oder aufwaendig
sanierten Gebaeuden bezogen wurden. Betroffen sein koennen einzelne Raeume,
in einigen Faellen auch ganze Wohnungen. Der schmierige Film ist eine
Ablagerung von schwerfluechtigen organischen Verbindungen und Staubteilchen.
Damit verbunden sind bestimmte Randumstaende, wie etwa ungenuegender
Luftaustausch, Gebrauch von Oellaempchen oder Kerzen oder erhoehtes
elektrostatisches Potenzial in der Raumluft. Das Umweltbundesamt hat die
wichtigsten Fakten zum Phaenomen "Schwarze Wohnungen" zusammengetragen und
nimmt zu vier haeufig gestellten Fragen Stellung.

Die derzeitigen Ergebnisse stammen unter anderem aus einer umfangreichen
Fragebogenaktion und einem aufwaendigen Messprogramm des Umweltbundesamtes
in betroffenen Wohnungen.

1. Wann taucht das Phaenomen "Schwarze Wohnungen" auf ?
Die schmierigen Belaege zeigen sich fast ausschliesslich waehrend der
Heizperiode. Ein direkter Einfluss der Heizungssysteme ist auszuschliessen.
Ebensowenig liegt die Ursache ausserhalb der Wohnung, etwa in Russeintraegen
von aussen.
Die Ablagerungen entstehen, nachdem renoviert wurde und/oder nachdem eine
neue Wohnung in einem neu errichteten Gebaeude bezogen wurde.

Zwischen dem erstmaligen Auftreten der Belaege und den Renovierungsarbeiten
koennen einige Monate vergangen sein - in der Regel wurde im Sommer
renoviert und im darauffolgenden Winter entsteht das Problem. In
Einzelfaellen kann die Renovierung aber auch ein bis zwei Jahre
zurueckliegen. Die Belaege selbst bilden sich - zum Teil massiv - waehrend
der Heizperiode innerhalb weniger Wochen, manchmal sogar innerhalb weniger
Tage.

2. Welche Ursachen haben "Schwarze Wohnungen"?
Bei der Renovierung - Malerarbeiten, Fussbodenverlegearbeiten, aufwaendige
Bausanierungen - gasen schwerfluechtige organische Verbindungen (englisch
Semi-Volatile Organic Compounds "SVOC") aus einigen Produkten aus - allen
voran Weichmacherverbindungen ("Phthalate"). Das ist nicht ungewoehnlich.
Diese Stoffe koennen noch Monate nach der Renovierung in die Raumluft
abgegeben werden. Sie sind geruchlos und in den bisher gemessenen
Konzentrationen in betroffenen Wohnungen auch nicht gesundheitsschaedlich.
Aber: Sie fuehren zusammen mit Schwebstaubteilchen, die in der Raumluft und
der Aussenluft immer vorhanden sind, zu einem "Zusammenkleben" kleiner
Staubteilchen zu groesseren Einheiten. Bei weiteren unguenstigen
Begleitumstaenden setzten sie sich als schmierige Belaege an Waenden und
anderen Flaechen im Raum ab. Besonders stark betroffen sind Aussenwaende,
Fenster, kunststoffhaltige Materialien, aber auch verschiedene
Einrichtungsgegenstaende wie Vorhaenge, Kuehlschraenke, Fernsehgeraete und
sonstige elektronische Geraete. Stroemungstechnische und thermische
Einfluesse bestimmen zudem, wo sich die Belaege absetzen. Staubteilchen
koennen im Raum verteilt werden und auch beim Vorbeistroemen an
Materialoberflaechen mit schwerfluechtigen organischen Verbindungen in
Kontakt kommen - der sogenannte Klebefilmeffekt -, was dann ebenfalls zu den
schmierigen Ablagerungen fuehrt.

Der Eintrag von schwerfluechtigen organischen Verbindungen aus Wand- und
Bodenmaterialien, wie etwa weichmacherhaltigen Tapeten, Farben und Lacken,
PVC-Belaegen, ein zusaetzliches Ausduensten von Weichmachern aus
Einrichtungsgegenstaenden oder die Reaktion von schwerfluechtigen
organischen Verbindungen mit Staubteilchen an der Materialoberflaeche sind
zwar wichtige Schritte zur Entstehung der schwarzen Belaege. Fuer sich
allein betrachtet fuehren sie oftmals aber nicht zu dem beobachteten
Phaenomen. Als Begleitumstaende, die ebenfalls vorhanden sein muessen (es
genuegt, wenn im Einzelfall einige davon vorliegen), kommen hinzu:

· bauliche Maengel, wie etwa kalte Wandbereiche oder Waermebruecken,
an denen sich bevorzugt Staubpartikel absetzen,
· ein verstaerkter Gebrauch von Oellaempchen und russenden Kerzen
waehrend der Winterzeit,
· ein erhoehtes elektrostatisches Potenzial in der Raumluft,
· unguenstige stroemungstechnische Einfluesse, wie etwa
Verwirbelungszonen aufsteigender Luft im Raum,
· eine erhoehte Staubkonzentrationen in der Raumluft durch Tabakrauch
usw.,
· das Abschalten der Heizung waehrend Abwesenheit der Wohnungsnutzer.
Das meint nicht die Drosselung der Heizkoerperthermostaten, sondern deren
voelliges Abschalten - was uebrigens auch aus energetischen Gruenden oft gar
nicht vorteilhaft ist,
· ein ungenuegender Luftaustausch, zum Beispiel durch unzureichendes
Lueften.

3. Wie gefaehrlich ist das Phaenomen "Schwarze Wohnungen" fuer meine
Gesundheit?
Nach gegenwaertigem Kenntnisstand und sofern es sich tatsaechlich und
ausschliesslich um den "Fogging-Effekt" handelt, gibt es keine akute
gesundheitliche Gefaehrdung durch das Auftreten der Belaege. Aber: Der
Schmierfilm mindert die Wohnqualitaet zum Teil erheblich.

4. Was kann ich gegen das Phaenomen "Schwarze Wohnungen" tun?
Aus Vorsorgegruenden - und natuerlich auch, weil die Wohnqualitaet
beeintraechtigt ist - sollten die Ursachen im Einzelfall so rasch wie
moeglich geklaert und die Belaege beseitigt werden. Das heisst im
allgemeinen: erneute Renovierung. Dabei sollten, zum Beispiel bei erneutem
Streichen der Waende, Produkte eingesetzt werden, die moeglichst wenig SVOC
wie zum Beispiel Weichmacher (Phthalate), enthalten. Einzelne Hersteller
bieten bereits derartige Produkte an. An dieser Stelle sei nochmals betont,
dass die Verwendung weichmacherhaltiger Produkte nicht zwangslaeufig zu den
schwarzen Ablagerungen fuehren muss, sondern in der Regel erst das
Zusammenwirken mit den genannten anderen Faktoren dazu fuehren kann.

Noch sind nicht alle Fragen zum Phaenomen der "Schwarzen Wohnungen"
geklaert. Offen ist beispielsweise, welchen Beitrag einzelne bei der
Renovierung oder bei der Neuerrichtung der Gebaeude verwendete Produkte
konkret zum Entstehen oder zur Intensitaet der Ablagerungen leisten. Deshalb
koennen derzeit auch keine verbindlichen Empfehlungen fuer oder gegen die
Verwendung einzelner, bestimmter Produkte zur Vermeidung oder Vorbeugung des
Phaenomens der "Schwarzen Wohnungen" gegeben werden.

Das Umweltbundesamt verfolgt das Phaenomen "Schwarze Wohnungen" aufmerksam
und wird in den naechsten Monaten zusammen mit Fachleuten aus Wissenschaft
und Behoerden sowie mit Produktherstellern dieses Phaenomen in einem
Fachgespraech eroertern.

Weitere Hintergrundinformationen zum Thema "Schwarze Wohnungen" gibt es beim
Umweltbundesamt, Pressestelle, Postfach 33 00 22, 14191 Berlin, Fax:
030/8903-2798, e-mail: jana.schmidt@uba.de

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