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Presse-Stelle:  Deutscher Naturschutzring, Dachverband der deutschen Natur- und Umweltschutzverbände (DNR) e.V., D-53177 Bonn
Rubrik:Naturschutz    Datum: 28.08.2001
Naturschützer: WestLB muß Abenteuer in Ecuador sofort stoppen - Landesregierung zum Eingreifen aufgefordert
Der Deutsche Naturschutzring (DNR) und die Organisation Rettet den Regenwald haben heute von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen den Verzicht auf einen 900 Millionen Dollar-Kredit der WestLB für den Bau einer Öl-Pipeline durch Ecuador gefordert "Falls Ministerpräsident Wolfgang Clement international nicht ein ähnliches Image wie George Bush beim Klimaschutz bekommen will, muss er als Verantwortlicher des größten Anteilseigners an der WestLB dessen neuen Chef, Jürgen Sengera, sofort zurückpfeifen", betonte DNR-Generalsekretär Helmut Röscheisen.

Die WestLB steht an der Spitze eines Bankenkonsortiums, das mit einem 900 Millionen US-Dollar-Kredit den Bau der Pipeline finanzieren will. Um die neue Pipeline zu füllen, müßte Ecuador seine derzeitige Ölproduktion verdoppeln. Das wird zu einem Boom bei der Suche nach neuen Ölquellen führen und die letzten uralten Regenwälder und die Gebiete noch weitgehend isoliert lebender indigener Völker bedrohen. "Die Ölpipeline wird zu unvorstellbaren Schäden in weltweit einzigartigen Schutzgebieten führen. Außerdem bedroht sie nicht nur die Lebensqualität, sondern das Leben von Zehntausenden von Siedlern und Amazonasindianer," warnte der mit den Verhältnissen vor Ort bestens vertraute Vizepräsident des DNR, Prof. Dr. Manfred Niekisch. Hunderte neue Bohrlöcher müssen in den Boden getrieben werden. Das Öl wird überwiegend aus dem Yasuni-Nationalpark stammen, das von der UNESCO zum Biosphären-Reservat erklärt wurde.

Inzwischen hat der in Hamburg ansässige Verein Rettet den Regenwald eine weltweite Koalition aus Umwelt- und Menschenrechtsgruppen, Wissenschaftlern und Einzelpersonen gebildet, die das Projekt entschieden ablehnen. "Der lokale, nationale und internationale Widerstand hat dramatisch zugenommen, gewaltsame Konflikte zwischen Zivilisten und Militärs sind zu befürchten," sagte Reinhard Behrend von Rettet den Regenwald. In Lago Agrio, dem Ausgangspunkt der Trasse, haben betroffene Anwohner den Bauplatz besetzt. Baumaschinen wurden abtransportiert und an einem unbekannten Ort versteckt.

An der bereits bestehenden großen Pipeline SOTE des Landes gab es allein in den vergangenen drei Jahren14 große Leckagen. Seit 1970 traten etwa 74 Millionen Liter Öl unkontrolliert aus und führten zu irreparablen Umwelt- und Gesundheitsschäden. Im Juni diesen Jahres wurden bei einem Erdrutsch in Papallacta an der SOTE-Pipeline 36 Menschen verschüttet, und das aus der gebrochenen Leitung ausströmende Öl ergoss sich in einen wenige Meter entfernten Fluss. Fast 40 Städte sind durch die neu geplante Pipeline gefährdet. "Die bisherigen Schäden sind bereits sehr schlimm, mit der neuen Pipeline droht in diesem an Erdbeben und Erdrutschen heimgesuchten Gebiet eine Riesenkatastrophe. Außerdem würde das wichtigste Potential der Region, der Ökotourismus, für immer unmöglich", sagte Niekisch.

Die WestLB verteidigt ihr geplantes Projekt mit den Worten, es sei "wirtschaftlich wichtig für das arme Land Ecuador." Ein Blick auf die ökonomischen Daten entlarvt die WestLB-Begründung als fadenscheiniges Argument. An der Ausbeutung der Ölvorkommen Ecuadors seit Beginn der 70er Jahre haben allenfalls ein paar internationale Konzerne und Banken bestens verdient - die wirtschaftliche und soziale Situation der Bevölkerung hat sich dramatisch verschlimmert. So hat sich die Zahl der unter der Armutsgrenze lebenden Menschen in Ecuador von 1970 bis 1998 verdoppelt. Die Auslandsverschuldung des Landes ist von 217 Millionen auf 16,4 Milliarden US-Dollar (1998) gestiegen und ist heute die höchste pro Kopf in Lateinamerika. Von den 2,4 Milliarden Dollar, die im Jahr 2000 durch Öl verdient wurden, sind ungefähr 100 Millionen im Land geblieben. Der Rest ging in den Schuldendienst.

Bei der für das neue Projekt angestrebten Ölfördermenge und unter Berücksichtigung der bekannten Ölvorkommen im Land werden sich die Reserven in etwa 20 Jahren erschöpft haben. Ecuador wird dann vom Ölexporteur zum -importeur. "Mit ihren Plänen ist die WestLB dafür verantwortlich, dass zur Begleichung von Auslandsschulden einmalige Naturschätze und das Leben und die Gesundheit der Bevölkerung zerstört sowie die natürlichen Ressourcen des Landes für immer ausgebeutet werden", betonte Reinhard Behrend.

Die Pipeline wurde zunächst ohne Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) genehmigt, ein Verstoß gegen nationale Umweltgesetze. Danach hatte die Consultingfirma EMTRIX gerade zwei Monate Zeit, eine UVP für eine 500 km lange Route zu erstellen. Die verwendeten Landkarten waren veraltet, die Maßstäbe viel zu klein und entsprachen nicht den gültigen Vorschriften. Zudem wurden Betroffene nicht konsultiert, ein Verstoß gegen die Verfassung und internationale Verpflichtungen der Regierungen zu Menschenrechten und dem Schutz indigener Völker. Auch weit verbreitete Korruption in Ecuador läßt erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des bisherigen Planungs- und Ausschreibungsverfahrens aufkommen. Korruption ließ schon in der Vergangenheit viele Gelder in dunklen Kanälen versickern. Nach einer aktuellen Untersuchung in 91 Ländern gehört Ecuador zu den 13 korruptesten Staaten der Erde.

Weitere Informationen:
Helmut Röscheisen, DNR-Generalsekretär, Am Michaelshof 8-10, 53177 Bonn
Tel.: 0228/35 90 05, Mobil: 0170/52 188 15
Werner Paczian, Rettet den Regenwald, Tel.:0251/66 53 07 oder 0171/83 99 059




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