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Presse-Stelle:  ECO-News Deutschland, D-81371 München
Rubrik:Essen & Trinken    Datum: 25.11.2019
BÖLW zu Bauernprotesten
Alle müssen ihre Hausaufgaben machen

Mehr über die
Zukunft unserer Ernährung
und welche Rolle dabei
Fleisch aus dem Labor
spielen kann, lesen Sie in forum Nachhaltig Wirtschaften 4/2019.
Zahlreiche Landwirte sind auf dem Weg nach Berlin. Der Vorsitzende des Bio-Dachverbandes Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, kommentiert:

"Die Diskussion zu den Bauernprotesten gleicht zunehmend einem Schwarzer-Peter-Spiel: Die Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten von den Bauern einen besseren Umgang mit den Tieren und mehr Rücksicht auf die Umwelt - wollen aber am liebsten billig einkaufen. Die Bäuerinnen und Bauern verlangen von der Politik Klarheit darüber, wo die Reise hingehen soll - tun sich aber schwer, Veränderungsbedarf zu benennen. Und die Politik fordert die Kunden auf, mehr Geld für ihre Ernährung auszugeben - scheut sich aber vor der erforderlichen Rahmensetzung.

Ungeachtet dessen spitzen sich die Klimakrise und die Biodiversitätskrise, die Belastung von Wasser und Böden sowie die Epidemie ernährungsbedingter Krankheiten weiter zu und bürden künftigen Generationen untragbare Lasten auf. Das muss aufhören.

Die Politik muss jetzt anerkennen, dass ein Umbau von Landwirtschaft und Ernährung unabdingbar ist und dass er Kosten verursacht, die nicht einseitig den Bäuerinnen und Bauern aufgebürdet werden können. Vor allem muss die Europäische Agrarpolitik mit dem Ziel umgestaltet werden, nicht pauschal Flächenbesitz zu belohnen, sondern ausschließlich Leistungen für die gefährdeten Allgemeingüter - also Leistungen, die durch den Markt nicht honoriert werden. Die Rahmenbedingungen müssen so gesetzt werden, dass eine Produktion rentabler ist, die Klima, Tiere und Umwelt schützt. Bei Schädigung von Allgemeingütern muss das Verursacherprinzip gelten.

Der Bäuerliche Berufsstand ist in der Pflicht, selbst ein mutiges Zielbild von einer enkeltauglichen Landwirtschaft entwickeln - was nur geht, wenn er bereit ist die Probleme beim Namen zu nennen, die durch den Kostendruck einer exportorientierten Überschuss-Landwirtschaft verursacht werden. Nur so kommen Landwirte, Politik und Gesellschaft in einen lösungsorientierten Austausch, in dem es dann auch darum geht, wer welche Lasten zu tragen hat.

Noch viel mehr Verbraucherinnen und Verbraucher müssen die Möglichkeit nutzen, mehr für Umwelt-, Klima-, und Tierschutz zu sorgen, in dem sie zu Bio-Produkten greifen. Damit diese Form von Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung weiter wachsen kann, muss die Wahl für umweltfreundliche Lebensmittel einfacher und transparenter werden - egal, ob beim Wocheneinkauf oder beim Auswärts-Essen. Dafür muss das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Ernährungsbildung investieren und auch ihr geplantes Tierwohllabel überarbeiten, in dem Bio - wie bei der Eier-Kennzeichnung - eine eigene Stufe bekommen muss. Und zusätzlich könnten Bund und Länder die Nachfrage nach Bio schon heute stärken, indem sie die staatlichen Kantinen konsequent auf Bio umstellen."

BÖLW-Meldung zum Agrarpaket
BÖLW-Infos zur EU-Agrarpolitik

Der BÖLW ist der Spitzenverband deutscher Erzeuger, Verarbeiter und Händler von Bio-Lebensmitteln und vertritt als Dachverband die Interessen der Ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft in Deutschland. Mit Bio-Lebensmitteln und -Getränken werden jährlich von über 46.000 Bio-Betrieben mehr als 10 Mrd. Euro umgesetzt. Die BÖLW-Mitglieder sind: Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller, Bioland, Biokreis, Biopark, Bundesverband Naturkost Naturwaren, Demeter, Ecoland, ECOVIN, GÄA, Interessensgemeinschaft der Biomärkte, Naturland, Arbeitsgemeinschaft der Ökologisch engagierten Lebensmittelhändler und Drogisten, Reformhaus®eG und Verbund Ökohöfe.

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