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Umwelt & Naturschutz   
Amphibien und Reptilien in Bayern: Neuer Atlas und neue Rote Listen
Neue Grundlage für besseren Schutz von Amphibien und Reptilien
Am 21. November wurde am Landesamt für Umweltschutz (LfU) der neue Amphibien- und Reptilienatlas für Bayern vorgestellt. Neben dem LfU ist der BUND Naturschutz in Bayern (BN) zusammen mit dem Landesverband für Amphibien- und Reptilienschutz (LARS) und dem Landesbund für Vogelschutz Herausgeber des 800seitigen Bandes. "Amphibien und Reptilien sind noch immer Sorgenkinder des Artenschutzes in Bayern. Die fachlichen Grundlagen, die im Atlas zusammengetragen sind, weisen den Weg hin zu einer positiven Kehrtwende für einen besseren Schutz dieser Artengruppen.", kommentiert Richard Mergner, Vorsitzender des BN und weiter: "Herzlichen Dank an alle Beteiligten, die fast 90 Autorinnen und Autoren und insbesondere an die Hauptautoren vom LARS für dieses erfolgreiche gemeinsame Mammutprojekt."

Der BN schützt und pflegt überall in Bayern die Lebensräume der bedrohten Tiere. Bei den Amphibien gehören dazu nicht nur die Laichgewässer, sondern auch die Landlebensräume wie feuchte und nasse Wiesen und Weiden. Prof. Dr. Kai Frobel, Artenschutzreferent des BN, hebt das Engagement von bis zu 6.000 Helferinnen und Helfern hervor: "Seit fast 50 Jahren sind Frühjahr für Frühjahr, Tag für Tag und überall in Bayern während der Wanderzeit der Tiere zu ihren Laichgewässern ehrenamtliche Aktive des BN unterwegs, um die Tiere sicher über die Straßen zu bringen. Bei den Aktionen werden jährlich bis zu 700.000 Tiere gerettet." Durch den vom BN angestoßenen nachträglichen Einbau von Amphibienleiteinrichtungen und -tunneln konnten an fast 40 der bedeutendsten Amphibienwanderwege Bayerns dauerhafte Lösungen etabliert werden. Der BN fordert den Einbau an weiteren Straßen, u.a. besonders an Gemeinde- und Kreisstraßen, an denen bisher noch kein nachträglicher Einbau erfolgte.

Der Anteil gefährdeter Arten ist bei den Amphibien und Reptilien im Vergleich zu anderen Artengruppen deutlich höher: 12 der 20 heimischen Amphibienarten und 9 von 10 heimischen Reptilienarten stehen auf der zusammen mit dem Atlas neu erstellten Roten Liste (RL) gefährdeter Tiere Bayerns für die beiden Artengruppen. Drei Amphibien- und zwei Reptilienarten gelten in Bayern weiterhin als vom Aussterben bedroht. Bei den Amphibien gilt nun auch der Fadenmolch als gefährdet, der in der RL 2003 noch als ungefährdet eingestuft wurde.

Dass Klimaschutz und Artenschutz Hand in Hand gehen, zeigt das Beispiel des Moorfrosches. Durch aufwändige Artenhilfsprogramme konnten die Bestände dieses in Bayern vom Aussterben bedrohten Frosches stabilisiert werden. Die letzten trockenen Sommer allerdings haben wieder zu einer besorgniserregenden Abnahme geführt. Mit raschen und ambitionierten Maßnahmen im Klimaschutz kann das Verschwinden weiterer Amphibienarten verhindert werden.

Aber auch die Bestände der "Allerweltsarten" sind stark geschrumpft. Ein eindrückliches Beispiel dafür ist der sogenannte Froschregen: Das Glück, dieses faszinierende Phänomen der Amphibienwanderungen beobachten zu können, hat heute kaum noch jemand. Die Wanderung von zeitgleich zehn- und hunderttausenden von Grasfröschen und Kröten an einer Stelle war dagegen für viele der anwesenden älteren Personen in ihren Kinder- und Jugendjahren Normalität.

Initiator des Atlas war der 2015 verstorbene Reptilienspezialist Dr. Wolfgang Völkl. Die fünf Hauptautoren - Eberhard Andrä (Koordinator der Atlaserstellung), Otto Aßmann, Thomas Dürst, Günter Hansbauer und Dr. Andreas Zahn - haben zusammen mit den weiteren fast 90 Autorinnen und Autoren und rund 4000 Ehrenamtlichen in zehnjähriger Arbeit Daten und Beobachtungen zusammengetragen und ein Nachschlagwerk geschrieben, das dem Amphibien- und Reptilienschutz in Bayern einen gewaltigen Schub geben kann. Der Bayerische Naturschutzfonds hat das Projekt mit einer Förderung von mehr als 160.000 Euro möglich gemacht. Der Atlas ist im Ulmer-Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich.
 
Quelle: ECO-News Deutschland, D-81371 München
http://www.bund-naturschutz.de
lfg@bund-naturschutz.de
    

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