Zurück zur ECO-World Startseite

Haftungsausschluss
Impressum
Datenschutzerklärung
 








  Forum
 
 
HOME | Top-Nachrichten | Umwelt & Naturschutz alle Nachrichten
 Hier finden Sie laufend aktuelle Nachrichten aus dem Themenbereich Ökologie.
Stichwort    Art 
Hilfe   neue Suche  alle Pressestellen anzeigen 
Wenn Sie Meldungen zu einem bestimmten Thema suchen, steht Ihnen die Navigation links zur Verfügung. - Mit ECO-News, dem Presseverteiler der ECO-World sind Sie immer auf dem Laufenden.

 ECO-News - die grüne Presseagentur
Presse-Stelle:  ECO-News Deutschland, D-81371 München
Rubrik:Umwelt & Naturschutz    Datum: 17.01.2023
Studie zur "smarten" Landwirtschaft
Was die Politik jetzt tun muss, um biologische Vielfalt zu fördern
Nitrat im Trinkwasser, Insektensterben und Verlust der Biodiversität in der Agrarlandschaft: Digitale Technologien wie Drohnen, Sensoren, Agrar-Apps und GPS-gesteuerte Roboter können helfen, dass die Landwirtschaft ökologischer wird, etwa indem der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden verringert wird. Doch damit dies gelingt, braucht es ökologische und soziale Leitlinien, sonst könnte die Digitalisierung bestehende Probleme sogar verschärfen. Das betonen Forschende vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in einer vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) beauftragten Studie, die jetzt in der Reihe der BfN-Schriften sowie in einem Policy Brief veröffentlicht wurde.

"Die Digitalisierung ist aus der Landwirtschaft nicht mehr wegzudenken. Ob und wie sie zur Bewältigung der drängenden globalen Krisen wie dem Klimawandel und Biodiversitätsverlust beitragen kann, ist jedoch offen. Die Studie zeigt auf, wo Forschungslücken bestehen. Sie liefert wertvolle Grundlagen und Empfehlungen dazu, wie diese Lücken zu schließen sind und wo politisch nachzusteuern ist. Klar ist, dass wir das Ziel einer nachhaltigen Transformation der Landwirtschaft nur erreichen, wenn der Natur- und Umweltschutz auch für die digitalisierte Agrarwirtschaft zum Leitziel wird", so Sabine Riewenherm, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz.

Kann smarte Technologie den Artenschwund auf den Feldern stoppen?
Bereits heute setzt die Mehrheit der landwirtschaftlichen Betriebe hierzulande digitale Technologien ein. Projektleiterin Lea Kliem, Expertin für nachhaltige Landnutzung am IÖW, erklärt: "Digitale Technologien könnten zum Erhalt der Biodiversität beitragen. Wenn etwa weniger Düngemittel gezielter ausgebracht werden, entlastet dies Ökosysteme in Böden und Gewässern. Auch der Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln kann reduziert werden, etwa durch den Einsatz von mechanischer Unkrautregulierung. Ein verbessertes Monitoring und Tracking von Umweltdaten kann biodiversitätsfördernde Maßnahmen erleichtern. Und durch kleine, leichte Feldroboter sowie präzisere Fahrten von größeren Maschinen lässt sich die Bodenverdichtung verringern."

So die Theorie - doch bisher gibt es kaum Belege dafür, dass die Digitalisierung in landwirtschaftlichen Betrieben signifikant zum Schutz der Biodiversität beiträgt. Die Forschenden fordern daher mehr unabhängige Studien zu den ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung in der Landwirtschaft, vor allem auch zu ihren Risiken.

Behindert die Digitalisierung eine nachhaltige Agrarwende?
"Bei allen Vorteilen muss die Politik auch die Schattenseiten der Digitalisierung ernst nehmen", warnt Kliem. Die Studie von IÖW und ZALF weist auf mögliche Rebound-Effekte hin. "Zunächst steigern die digitalen Innovationen zwar die Effizienz, zum Beispiel bei der Bewässerung. Aber Änderungen in der Produktion können die Einsparung wettmachen - etwa, wenn anschließend mehr Nutzpflanzen mit höherem Wasserbedarf angebaut werden als zuvor. Auch schwer zugängliche Nischenflächen, die derzeit der Natur überlassen bleiben, könnten durch agile Feldroboter bewirtschaftet werden", so Kliem.

Das Problem: Aktuell werden technische Neuerungen in der Agrarbranche häufig nicht für ökologische Verbesserungen entwickelt, die vielfältige Agrarsysteme ermöglichen, sondern in erster Linie für die Ertragssteigerung oder Arbeitserleichterungen. "Wenn sich dieser Trend fortsetzt, rückt eine nachhaltige Transformation der Landwirtschaft weiter in die Ferne", ergänzt Kliem.

Schutz von Biodiversität muss sich lohnen
Die Forschenden empfehlen der Politik, die Anreizsysteme und Förderprogramme der Landwirtschaft stärker auf Gemeinwohl und Vielfalt auszurichten: "Erst wenn Biodiversitätsschutz als Leistung für das Gemeinwohl gewürdigt wird und sowohl der Bund als auch die Europäische Union ihre Fördermittel an ökologische und soziale Kriterien knüpfen, werden Landwirt*innen digitale Technologien gezielt dafür einsetzen", so Sonoko Bellingrath-Kimura vom ZALF, Co-Autorin der Studie und Professorin für Landnutzungssysteme an der Humboldt-Universität zu Berlin. "Bei der Dokumentation und Kontrolle von Artenschutzmaßnahmen könnten digitale Technologien sogar helfen, um Fördergelder künftig nach der tatsächlichen Leistung und Wirkung auszuzahlen", ergänzt Tsvetelina Krachunova vom ZALF, die für die Studie Befragungen und Analysen durchgeführt hat.

Auch bei der Förderung von Forschung und Entwicklung müssen Prioritäten gesetzt werden: Die Politik sollte nur solche Innovationen fördern, die klare Potenziale für den Schutz von Natur und Umwelt bieten und auch für kleine Betriebe rentabel sind.

Fairer Zugang zu Daten und Infrastrukturen
Beim Datenschutz muss der Gesetzgeber ebenfalls nachbessern, denn die digitalen Landmaschinen sowie Drohnen und Apps sammeln umfangreiche betriebswirtschaftliche Daten der Nutzer*innen: "Gewinner der Digitalisierung sind bisher die Agrarkonzerne, die die Technologien bereitstellen und große Mengen an Nutzerdaten auswerten können", kritisiert Kliem. "Die ökonomische und datenbasierte Vormachtstellung dieser Konzerne könnte sich also immer weiter festigen - dabei braucht Artenvielfalt auch eine Vielfalt an Betrieben, Agrarstrukturen und Anbausystemen." Nötig seien daher rechtliche Vorgaben, die den Landwirt*innen das Eigentum an Daten sowie Datensouveränität zusichern und klare Regeln für Nutzungsansprüche Dritter festlegen.

Damit landwirtschaftliche Betriebe von der Digitalisierung profitieren können, fehlen außerdem noch wichtige Grundvoraussetzungen: ein ausreichendes Glasfaser- und Mobilfunknetz in dünn besiedelten Regionen sowie Weiterbildungs- und Beratungsangebote für Landwirt*innen und ihre Beschäftigten.


Weiterführende Informationen

Diskussion

  Login



 
 
  Aktuelle News
  RSS-Feed einrichten
Keine Meldung mehr verpassen

26.01.2023
Ohrfeige für die Große Koalition ÖDP begrüßt Verfassungsgerichtsurteil zur Parteienfinanzierung


24.01.2023
Leitungswasser filtern und eigenen Beitrag leisten


Nachhaltigkeits-Siegel der GfaW im neuen Design Die Gesellschaft für angewandte Wirtschaftsethik startet mit großen Veränderungen ins neue Jahr


23.01.2023
Landwirtschaftspolitik in den neuen Legislaturperioden Handlungsperspektiven und -ansätze

Artenschutz: Luchspopulation soll mittels Fotofallen ermittelt werden Derzeit werden Wildkameras im Pfälzerwald und Umgebung aufgebaut

Bundespreis Ecodesign 2023 Wettbewerb der Bundesregierung für ökologisches Design erneut ausgelobt


DFGE und MINT: Nachhaltigkeitsberichte im Komplettpaket


22.01.2023
Erkältungen vermeiden - Das ist wichtig für die kalte Jahreszeit


Projektgruppe "Klimaneutral Wirtschaften" der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen nimmt ihre Arbeit auf Gemeinsam mit Wissenschaft, Unternehmen, Gewerkschaften und Organisationen entwickelt die Projektgruppe Strategien, mit denen wir unsere Wirtschaft klimaneutral gestalten können.

21.01.2023
Mehr Tempo bei der Agrarwende - Naturland fordert Tierhaltungskennzeichnung jetzt! Naturland zur Demonstration "Wir haben es satt!" in Berlin

Bioland sorgt für Insektenschwarm bei "Wir haben es satt" Ein weiterer Schwerpunkt des Bioland-Auftritts bei der Demo für eine Agrarwende in Berlin lag in diesem Jahr auf dem Thema Gentechnik: "Keine Agro-Gentechnik durch die Hintertür!", forderten die Demonstrierenden im Bioland-Block.

"Wir haben es satt!"-Demo: 10.000 fordern sozial gerechte Agrarwende und gutes Essen für alle Breites Bündnis aus Landwirtschaft und Gesellschaft fordert Umverteilung, damit Agrarwende und gutes Essen für alle klappen


"Lebensmittel gehören auf den Teller, nicht in den Tank!" Julia Verlinden zu Agrosprit/Lebensmittel im Tank

20.01.2023
Zunehmende Trockenheit: Auswirkungen von Dürre auf die Qualität landwirtschaftlicher Produkte


LNG-Terminals gehören auf den Prüfstand "Ein Ende der Gasmangellage ist in Sicht, umso weniger sinnvoll wirkt die überdimensionierte neue Infrastruktur für flüssiges Gas an unseren Küsten."

30% Ökolandbau heißt auch 30% Bio-Verarbeitung und 30% Bio-Forschung "Hier klaffen Anspruch und Wirklichkeit extrem auseinander"

Geplantes Bundeswahlgesetz ist verfassungswidrig ÖDP will deutlich weniger Bundestagswahlkreise


19.01.2023
EuGH-Urteil: Notfallzulassungen bienengefährlicher Ackergifte sind rechtswidrig Leider betrifft das Urteil lediglich zwei verbotene Wirkstoffe

"Wann, wenn nicht jetzt!" AgrarBündnis fordert, Landwirtschaft und Ernährung krisenfest und zukunftssicher zu gestalten

Exotenhaltung verbieten: Deutscher Tierschutzbund begrüßt den Vorschlag von Minister Özdemir Thomas Schröder: Wir brauchen eine nationale Positivliste