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Presse-Stelle:  ECO-News Deutschland, D-81371 München
Rubrik:Umwelt & Naturschutz    Datum: 04.05.2022
Situation im Milchsektor alarmierend
Explodierende Kosten bedrohen Nahrungsmittelproduktion: EMB fordert sofortiges Handeln!
Die Kostensteigerungen in der Milcherzeugung nehmen alarmierende Ausmaße an und bedrohen die MilcherzeugerInnen und damit auch die Milchproduktion in Europa. Auch wenn die Milchpreise in den letzten Monaten etwas nach oben gingen, können sie bei weitem den extremen Kostenanstieg aufgrund von Preissteigerungen bei Produktionsmitteln wie Dünger, Futtermittel und Energie nicht ausgleichen. Doch diesen Ausgleich beim Preis muss es unbedingt geben, wie der Vorstand des European Milk Board (EMB) deutlich fordert.

Massive Kostensteigerungen in Europa
  • In Deutschland zahlten im Februar führende nordrhein-westfälische Molkereien 44 Cent pro Kilogramm Milch an ihre ErzeugerInnen. Auch wenn damit das Preisniveau gestiegen war, ließ sich nach Berechnungen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen der Kostenanstieg von 10 Cent (Vergleich zu Wirtschaftsjahr 2020/2021), der die Gesamtproduktionskosten auf aktuell 53 Cent/kg Milch hochgetrieben hat, so bei weitem nicht ausgleichen. Auch die Landwirtschaftskammer kommentiert: "Die hier kalkulierte Kostensteigerung pulverisiert den Milchpreisanstieg komplett." Und die Kosten für die ErzeugerInnen steigen weiter kontinuierlich an. Beispielsweise kletterten die Preise für das Eiweißfuttermittel Rapsschrot im April bereits auf über 500 Euro pro Tonne.
  • Aus Portugal werden für April 2022 im Vergleich zu April 2021 Preissteigerungen von 62 Prozent beim Diesel, 77 Prozent beim Mais und 140 Prozent beim Stickstoffdünger gemeldet.
  • Auch in Norwegen sind die Düngerpreise stark angestiegen und haben sich im Vergleich zu 2020 mehr als verdoppelt. Die Strompreise haben sich in den vergangenen 2 Jahren sogar mehr als verdreifacht.
  • In Frankreich sind die Kosten für Energie innerhalb eines Jahres um ca. 30 Prozent und die für Düngemittel um über 80 Prozent gestiegen (Vergleich Februar 2021/ 2022).
  • Aus Ländern wie Italien und den Niederlanden kommen die Informationen, dass viele ErzeugerInnen aufgrund der Preisexplosionen bei den Futtermitteln gezwungen sind, Milchkühe vermehrt in die Schlachtung zu geben. Eine aktuelle Berechnung für einen Beispielhof mit 200 Milchkühen in der italienischen Region Lombardei ermittelt zusätzliche Kosten von ca. 13 Cent pro Liter Milch im Vergleich zu den Kosten im vergangenen Jahr.
"Diese stark angespannte Situation in der Milchproduktion wirft aktuell sehr viele ErzeugerInnen aus der Produktion und dünnt die Betriebsstruktur in der EU gefährlich aus", so die Vorsitzende des EMB, Sieta van Keimpema. Laut EMB-Vorstandsmitglied Elmar Hannen müsse dieser gefährlichen Entwicklung sofort entgegengewirkt werden: "Das Schlimmste, was uns in Europa passieren kann, ist der weitere, sehr hohe Verlust an Landwirten. Denn diese können wir nicht zurückbringen. Für Europa bringt dieser rasante Schwund ganz klar Probleme bei der Nahrungsmittelproduktion."

Eine Landwirtschaft ohne gesunde Betriebsstruktur; eine Landwirtschaft, die letztlich stark industrialisiert ist, könne sich zudem auch nicht in die gewünschte ökologische Richtung entwickeln. Daher fordert das EMB alle Verantwortlichen sofort zum Handeln auf.

Was muss für eine stabile und nachhaltige Milchproduktion JETZT passieren?
  1. Explodierte Kosten in der Erzeugung müssen weitergereicht und damit gedeckt werden.
    Das EMB richtet sich ganz konkret an den Handel und die Verarbeiter, die die gestiegenen Kosten für das Produkt Milch auch tragen müssen.
  2. Soziale Nachhaltigkeit muss in der GAP und im Green Deal sofort fest verankert und umgesetzt werden.
    Ohne lebensfähige Betriebe keine Ernährungssouveränität und keine erfolgreiche Transformation in Richtung ökologische Nachhaltigkeit. Daher muss die EU der sozialen Nachhaltigkeit in ihren Strategien und Verordnungen sofort Priorität einräumen.
  3. Markt muss an der Transformation der Landwirtschaft beteiligt werden.
    Das Ziel muss sein, alle Kosten - inklusive aller Nachhaltigkeitskosten - über den Preis decken zu können. Dafür muss der Markt an der nachhaltigen Transformation der Landwirtschaft beteiligt werden. Dazu muss die Politik die Instrumente bereitstellen. Denn wenn es weiter geht wie bisher, wird der stetige Abgang der Erzeuger nicht gestoppt, sondern noch weiter beschleunigt.
  4. Horizontale Erzeugerorganisationen müssen fest und wirkungsvoll etabliert werden.
    Erzeugerorganisationen, die im Namen der ErzeugerInnen Verträge und Preise mit den Verarbeitern verhandeln, müssen molkereiübergreifend und in der ganzen EU mit ausreichend Verhandlungsmacht etabliert werden. Wie Boris Gondouin, Vorstandsmitglied des EMB aus Frankreich, erklärt, müssten die Erzeugerorganisationen dabei tatsächlich unbedingt horizontal strukturiert und nicht nur an eine Molkerei gebunden sein. "Nur wenn sie Verhandlungen mit mehreren Molkereien jeweils führen, besitzen sie ausreichend Marktmacht, um mit den Verarbeitern auf Augenhöhe verhandeln zu können." Dabei sei es unabdinglich, dass auch LandwirtInnen von Genossenschaften durch diese Erzeugerorganisationen vertreten werden. "Viele Bäuerinnen und Bauern sind Mitglieder in Genossenschaften, so dass diese einen großen Teil der Milchmenge verarbeiten. Und auch für diese Milch müssen kostendeckende Preise verhandelt werden", so Gondouin.
  5. Spiegelmaßnahmen müssen für importierte Agrarprodukten gelten.
    Das EMB spricht sich für die Anwendung von Spiegelmaßnahmen (Gesundheits- und Umweltstandards) auf importierte Agrarprodukte aus, damit im Agrarbereich keine Produkte auf den EU-Markt kommen, die nicht den EU-Standards entsprechen. Ziel ist es, damit der EU-Bevölkerung den gleichen Gesundheits- bzw. Umweltschutz zu gewährleisten. Außerdem soll so eine Verdrängung von einheimischen EU-Produkten, die aufgrund der eigenen Standards mit höheren Kosten produziert werden, durch Billig-Importe verhindert werden. Denn sonst würde es lediglich zu Produktions- und damit Emissionsverlagerungen außerhalb der EU kommen. Damit wären global keine Umwelt- und Klimaverbesserungen zu erwarten.


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