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Antibiotikaresistente Erreger aus Tierhaltungen - Risiken müssen endlich verringert werden
Germanwatch zu gestrigem Bericht in ZDFzoom: Gerade in der Coronakrise sind multiresistente Erreger eine große zusätzliche Gefahr
ZDFzoom hat kürzlich über eine selbst in Auftrag gegebene Studie berichtet, nach der 62 Prozent der im Labor getesteten Putenfleischproben aus konventioneller Erzeugung mit antibiotikaresistenten Erregern kontaminiert waren. Diese Ergebnisse decken sich weitgehend mit von Germanwatch vor einem Jahr in Auftrag gegebenen Stichproben, bei denen auf 56 Prozent der Hähnchenfleischproben aus Discountern resistente Erreger gefunden wurden. Ein Drittel der kontaminierten Proben war resistent gegen Reserveantibiotika, also Medikamente, die bei Menschen eingesetzt werden, wenn gängige Antibiotika schon nicht mehr wirken. Die Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation Germanwatch fordert von Landwirtschaftsministerin Klöckner, die Nutzung von Reserveantibiotika in der industriellen Tierhaltung umgehend zu stoppen.

Dies ist gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie dringender denn je: Den aktuellen Erfahrungen in Deutschland und Studien zufolge wird eine Mehrheit der Corona-Patienten im Krankenhaus mit Antibiotika behandelt, zum Beispiel wegen Sekundärinfektionen. Multiresistente Erreger sind für den Erfolg dieser Behandlungen eine große Gefahr. Antibiotikaresistenzen schwächen zudem insgesamt unser Gesundheitssystem massiv - auch mit Blick auf die Bewältigung der Corona-Krise und möglicher künftiger Pandemien. "Die globale Krise infolge von Covid-19 führt uns vor Augen, welche dramatischen Auswirkungen es hat, wenn wirksame Medikamente für erkrankte Menschen fehlen. Mit der Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen steuern wir sehenden Auges darauf zu, dass sich der Medizinschrank der Welt leert und wir riskieren, dass Antibiotika etwa bei Wundinfektionen oder Lungenentzündungen künftig in immer mehr Fällen nicht mehr wirken", warnt Reinhild Benning, Referentin für Landwirtschaft und Tierhaltung bei Germanwatch.

In Deutschland wurden 2018 mit 722 Tonnen mehr Antibiotika in der Fleisch- und Milcherzeugung verbraucht als zur Behandlung erkrankter Menschen. Germanwatch fordert die Bundesregierung auf, den besonders hohen Antibiotikaverbrauch in der industriellen Hähnchen- und Putenerzeugung drastisch zu verringern und Reserveantibiotika aus industriellen Tierhaltungen umgehend zu verbannen.

Benning: "Die von der Regierung geplante Reduktion des Antibiotikaverbrauchs stockt seit geraumer Zeit. Gerade angesichts der zusätzlichen Herausforderungen in der Corona-Krise ist ist der Erhalt wirksamer Antibiotika aber wichtiger denn je. Die Tierhaltungsbranche hat im Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung unter Vorsitz des ehemaligen CDU-Landwirtschaftsministers Jochen Borchert gemeinsam mit Umwelt- und Tierschutzverbänden Empfehlungen für den schrittweisen Ausstieg aus der industriellen Tierhaltung erarbeitet. Damit liegt ein Fahrplan für den Umbau der Tierhaltung vor. Wer die dazu notwendigen gesetzlichen Verbesserungen für Tierschutz und gegen Antibiotikamissbrauch aufschiebt, riskiert die Zukunftsfähigkeit der deutschen Tierhaltung und billigt die Zunahme der Gesundheitsrisiken für Mensch und Tier durch multiresistente Erreger."
 
Quelle: ECO-News Deutschland, D-81371 München
http://www.germanwatch.org
kueper@germanwatch.org
    

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