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Presse-Stelle:  ECO-News Deutschland, D-81371 München
Rubrik:Umwelt & Naturschutz    Datum: 17.10.2019
Einweg-Industrie lässt ökologisch unsinnige Wegwerfverpackung schönrechnen
Kritik an der Ökobilanz zu Getränke-Plastikkartons
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert die vom Heidelberger IFEU-Institut im Juli 2019 veröffentlichte und zwischenzeitlich wegen falschen Angaben zurückgezogene Ökobilanz zu Getränkekartons und Mehrwegflaschen als Musterbeispiel für Greenwashing.

"Wie lässt die Industrie eine aus bis zu 50 Prozent Kunststoff und Aluminium bestehende Einwegverpackung, die lediglich zu etwa einem Drittel recycelt und oft in der Umwelt entsorgt wird, umweltfreundlich erscheinen? Ganz einfach: Über eine Auftrags-Ökobilanz, die mit falschen Angaben zu Mehrweg und dem Zauberinstrument der 'CO2-Gutschrift' ausgerechnet den Getränke-Plastikkarton schönrechnet", kommentiert DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Negative ökologische Folgen von Kunststoffverpackungen, wie die Vermüllung der Landschaft, Eintrag der Kunststoffpartikel in Flüsse, Seen und Meere oder die Belastung von Tieren und Menschen mit Schadstoffen und Mikroplastik, wurden bei er ökobilanziellen Betrachtung ausgeklammert. Auch die in der IFEU-Studie angenommene Recyclingquote für Getränkekartons liegt nach Berechnungen der DUH nicht bei 64,7 Prozent, sondern tatsächlich bei nur 35,8 Prozent, wie eine Infografik der DUH zeigt. Demnach wird kaum mehr als ein Drittel der Getränke-Plastikkartons recycelt.

Der Umwelt- und Verbraucherschutzverband kritisiert Getränkekartons zudem als nicht kreislauffähig, da diese immer wieder aus neuem Kunststoff, Aluminium und Papierfasern hergestellt werden und eben nicht aus im Kreislauf wiedereingesetztem Material bestehen. Schon die Bezeichnung 'Getränkekarton' täusche über den bis zu 50 Prozent ausmachenden Kunststoffanteil dieser Einwegverpackung hinweg, weswegen die DUH von 'Getränke-Plastikkartons' spricht. Der Marktführer Tetra Pak bringt weltweit 721.000 Tonnen Plastik pro Jahr in Verkehr. Damit gehört das Unternehmen neben den Konzernen Coca-Cola und Nestlé im Lebensmittelbereich zu den größten Plastiksündern weltweit.

"Mit diesem Auftragsgutachten haben die Getränke-Plastikkartonhersteller erneut gezeigt, dass sie kein Interesse an ehrlichen Bewertungen ihrer nicht kreislauffähigen Verbundverpackung haben. Erfreulicherweise hat sich der Gesetzgeber in der EU und in Deutschland auf die Abfallhierarchie besonnen und stellt Mehrweg- über Einwegverpackungen. Die deutsche Bundesregierung hat sich nicht ohne Grund von der Bewertung einer so genannten 'ökologischen Vorteilhaftigkeit' von Einwegverpackungen verabschiedet. Anstatt Industriegutachten brauchen wir ehrliche Ökobilanzen im Auftrag einer neutralen Behörde wie dem Umweltbundesamt", so Resch.

In der IFEU-Ökobilanz wurden für Mehrwegflaschen für Milch Transportentfernungen von 1.443 Kilometern und für Saft und Nektar von 1.231 Kilometern angenommen. Auf dieser Basis kommunizierten das IFEU-Institut und der Getränke-Plastikkartonverband FKN, dass Getränke-Plastikkartons für Milch aus Umweltsicht besser sowie für Saft und Nektar zumindest gleichauf mit Mehrwegflaschen seien. Erst nachdem das IFEU-Institut von Fachleuten auf die unrealistischen Zahlen und Ergebnisse angesprochen wurde, räumte dieses ein, mit falschen Zahlen gerechnet zu haben. Man habe verwendete Gutachten zu Transportentfernungen, die ebenfalls im Auftrag des FKN erstellt wurden, nochmals überprüft und festgestellt, dass man 'aus Versehen' die Transportentfernungen für Mehrweg verdoppelt hatte.

Als besonders dreist bewertet die DUH den Trick, durch absurd hohe CO2-Gutschriften - ausgerechnet für die Verwendung von Primärfasern anstelle recycelten Papiers sowie die Verbrennung der Getränkekartons - die Klimabilanz der Einwegverpackung schönzurechnen. "Die CO2-Gutschriften in der IFEU-Ökobilanz machen Getränke-Plastikkartons im Milchsegment auch dann klimafreundlicher als Mehrwegflaschen, wenn diese ohne jeglichen Transport in der Molkerei abgefüllt, leer getrunken und wiederbefüllt würden. Gleichzeitig könnten laut der Studie Getränkekartons tausende Kilometer weit transportiert werden. Spätestens hier erkennt man, dass die Annahmen völlig absurd sind und mit der Realität nichts zu tun haben", erklärt der Stellvertretende Leiter für Kreislaufwirtschaft Philipp Sommer.

"Den Annahmen des IFEU-Instituts zufolge ist es klimafreundlich, Bäume zu fällen und daraus Papier herzustellen. Dabei gehen mit der Papierherstellung massive CO2-Emissionen einher und das im Papier gebundene CO2 wird am Ende wieder freigesetzt. Von einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung sind wir weit entfernt. Deutschland importiert mehr als 80 Prozent seines Faserbedarfs aus dem Ausland und die hohe Nachfrage führt selbst in Skandinavien, wo das Holz für die Getränkekartons vorwiegend herstammt, dazu, dass auch alte und artenreiche Wälder für diese Einwegverpackung kahlgeschlagen werden", erklärt Sommer weiter.

Auch die für Getränke-Plastikkartons angenommene Recyclingquote von 64,7 Prozent ist Berechnungen der DUH zufolge falsch. Das IFEU-Institut korrigierte die vom Herstellerverband FKN kommunizierte Recyclingquote von 76,8 Prozent nur geringfügig. Aktuelle Recherchen der DUH ergeben, dass tatsächlich nur 35,8 Prozent der Getränkekartons recycelt werden. Den meisten Verbrauchern ist nicht bewusst, dass in der offiziellen Recyclingquote weder die Restinhalte, Fremdmaterialien, Faserverluste noch das verbrannte Aluminium und Plastik abgezogen werden.

Insgesamt landen etwa 37 Prozent der Getränkekartons gar nicht erst im Gelben Sack, sondern werden fälschlich in der Papiertonne, dem Restabfall oder der Umwelt entsorgt. Über die Altpapiersammlung entsorgte Getränke-Plastikkartons werden jedoch nur zu einem geringen Teil recycelt, da die normalen Altpapiermühlen das mehrschichtige Verbundmaterial nicht verarbeiten können.

Die DUH fordert das IFEU-Institut auf, zukünftig - gerade auch bei Gutachten im Auftrag der Einweg-Industrie - eine realistische Bewertung von Getränke-Plastikkartons und Mehrwegflaschen vorzunehmen. Wichtige und in dieser Studie nicht oder nur ansatzweise berücksichtigte Umweltkriterien wie etwa die Vermüllung der Umwelt, entstehendes Mikroplastik, die Schäden in marinen Ökosystemen, die Naturraumbeanspruchung oder die Human- und Ökotoxizität sollten bei der Ergebnisfindung gleichwertig berücksichtigt werden.

Den Verbrauchern empfiehlt der Umwelt- und Verbraucherschutzverband, sich am Verkaufsregal für regionale Mehrwegflaschen anstatt Getränke-Plastikkartons zu entscheiden.

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