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ECO-News - die grüne Presseagentur
Presse-Stelle:
Der Spatz - Alternativer Anzeiger für Bayern, D-80999 München
Rubrik:
Naturschutz
Datum:
02.10.2003
Bienen brauchen blühende Blumen
Die Imkerei nach dem Bienensterben
Von Günter Friedmann
Im letzten Winter durchlebten die Imker eine wahrhaftige Katastrophe. Je nach Region überlebten 30-80% der Bienenvölker den Winter nicht. Viele Imker hatten im Frühjahr kein einziges Bienenvolk mehr. Die betroffenen Bienenzüchter erlebten dieses Ereignis in einem Schockzustand, hatten sie Vergleichbares doch noch nie erlebt.
Aber auch der Bestand der Imkerei in Deutschland schien in Frage gestellt - schließlich waren 300.000 von insgesamt 800.000 Bienenvölkern gestorben. Es drohte für die Zukunft ein massiver Rückgang der Bienenhaltung, sowie eine Bestäubungskatastrophe. Gleichsam als Geschenk, zum Ausgleich für die Verluste und all den erlebten Schmerz, hat die Natur den Imkern ein Frühjahr und einen Sommer geschenkt, wie ich ihn in 25 Imkerjahren noch nicht erlebt habe. Von Beginn der Weidenblüte an, bis in den August hinein herrschten optimale Bedingungen für die Bienen.
So konnte eine Bestäubungskatastrophe verhindert werden, die Imker gaben nicht auf und versuchten ihre Bestände wiederaufzubauen. Die Regenerationskraft der überlebenden Bienenvölker erstaunte selbst erfahrene Imker.
Aber : die Ursachen des Bienensterbens liegen noch immer im Dunkeln!
Sicherlich spielte die Varroamilbe eine Rolle beim Sterben der Bienenvölker. Weitere Einflussfaktoren hatten aber ebenfalls einen gewichtigen Anteil an den großen Völkerverlusten. Hier gilt es aktiv zu werden, wenn in der Zukunft derartige Katastrophen verhindert werden sollen.
Die Lebensbedingungen der Bienen, aber auch aller anderen blütenbesuchenden Insekten haben sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch verschlechtert. Das Angebot an blühenden Pflanzen nimmt von Jahr zu Jahr ab. Nach der Rapsblüte gibt es in Feld und Flur fast keine blühenden Felder mehr.
Honigbienen, Hummeln und Wildbienen ernähren sich fast ausschließlich vom Nektar und dem Pollen blühender Pflanzen. Verschwinden die blühenden Pflanzen aus der Landschaft, so auch die Nahrungsquellen dieser Insekten. Damit werden ihre Lebensgrundlagen gefährdet.
Verursacher dieser Misere ist die immer intensiver betriebene Landwirtschaft. Durch den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln werden die blühenden Pflanzen aus den Getreide-, Mais und Kartoffelfeldern eliminiert. Neuerdings gibt es auch auf den Wiesen immer weniger blühende Blumen.
Vor einigen Jahrzehnten herrschte in Feld und Flur noch ein ganz anderes Bild. Da blühten im Sommer auf den Feldern blaue Kornblumen, rote Mohnblumen, gelber Ackersenf und Hederich - der Sommer war bunt und farbenfroh.
Diese Pflanzen bescherten den Insekten einen ergiebigen und kontinuierlichen Nahrungsstrom von Mai bis September.
Heute ist die dominierende Farbe des Sommers Grün. Außer den Nutzpflanzen hat nichts mehr Platz auf den Feldern und wird von den Landwirten rigoros verdrängt.
Lange Zeit konnten die Bienen und ihre Verwandten diesen Mangel ausgleichen, weil sie auf den Wiesen noch immer Nahrung fanden. Mittlerweile jedoch wird auch das Grünland immer intensiver bewirtschaftet und auch dort breitet sich die grüne Monokultur immer weiter aus.
Unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich die Fütterung der Tiere gravierend verändert.
Wir alle kennen noch das Bild des Bauern, der jeden Morgen auf seine Wiesen hinausfährt und für seine Kühe frisches Gras holt. Im Sommer prägte die Heuernte das Bild der Landwirtschaft.
In der modernen Landwirtschaft ist all dies Vergangenheit. Die tägliche Frischfutterbereitung kostet den Bauern zu viel Zeit. Bei der Heuernte ist ebenfalls der Zeitaufwand zu hoch, das Wetterrisiko ist zu groß. Statt dessenwerden Gras und Mais siliert, und mit diesem Silagefutter die Tiere gefüttert. Um das eiweißreiche Silagefutter zu gewinnen, mäht der Bauer seine Wiesen mehrmals im Jahr - jeweils vor der Blüte.
Jeder kennt von Spaziergängen auf dem Lande die in weiße Folie eingewickelten Ballen, die im Sommer auf den Wiesen zu sehen sind. Darin befindet sich siliertes Gras. Dieses wird im Verlaufe eines Gärungsprozesses, ähnlich dem Sauerkraut, zu Silagefutter umgewandelt.
Milchkühe und Rinder werden heute vorwiegend mit dieser Silage gefüttert. Zur Aufrechterhaltung einer maximalen Milchleistung und für einen hohen Fleischzuwachs bekommen sie jeden Tag die immer gleiche Futterration: viel Silage und Kraftfutter, nur wenig Heu.
Leider sieht es bei den meisten Biobauern nicht viel anders aus. Deren Wiesen sind zwar ein wenig artenreicher wie die ihrer konventionellen Kollegen. Die Grünlandbewirtschaftung selbst ist jedoch genauso intensiv.
Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf die Insektenwelt?
Da der Bauer seine Wiesen mehrmals im Jahr vor der Blüte abmäht, kommen auf diesen kaum noch Blumen zum Blühen. Somit fallen die Wiesen als Nahrungsgrundlagen für die Bienen und Hummeln aus.
Aufgrund der Schlagkraft der modernen landwirtschaftlichen Maschinen werden oft alle Wiesen einer Gemarkung in kurzer Zeit abgemäht. Für die Insekten ist die ein Schock. Alle Nahrungsquellen , die genutzt werden konnten, sind urplötzlich verschwunden. Wir erleben heute die paradoxe Situation, dass es den Bienen in den Städten mit ihren Parks, Friedhöfen und Alleen besser geht, als den Bienen auf dem Lande.
Im Sommer 2002 trat die eben beschriebene Mangelsituation in extremer Weise auf. Es war überdurchschnittlich warm, aber auch sehr feucht. Die Wiesen wuchsen gut, so dass die Bauern diese oftmals mähen konnten. Ich konnte beobachten, wie einzelne Wiesen bis zu 6 mal abgemäht wurden - auf 700 m Höhenlage. Hier gab es für die Insekten im wahrsten Sinne des Wortes nichts mehr zu holen.
Die Bienen, Hummeln und Wildbienen brauchen Nektar und Pollen als Nahrung. Der Nektar liefert ihnen die Energie zur Verrichtung der notwendigen Arbeiten und zur Erzeugung von Wärme im Stock. Den Blütenpollen brauchen sie für die Ernährung ihrer Brut. Nektar könnte zumindest zeitweise durch Zucker ersetzt werden. Pollen hingegen ist für die Insektenpopulationen essentiell : er kann durch nichts ersetzt werden! Fehlt Pollen, so wird die Brut ungenügend ernährt, der Nachwuchs wird in seiner Lebenskraft geschwächt . Mangelernährte Bienen ziehen wieder unterernährte Bienen auf. So pflanzte sich die Mangelsituation den ganzen Sommer über fort
Bereits im Spätsommer brachen die ersten Bienenvölker zusammen. . Die geschwächten Völker wurden ein leichtes Opfer der Varroamilbe und anderer Krankheitserreger., Viele Völker erlebten das Frühjahr nicht mehr.
Die Verarmung unserer Landschaft und der Rückgang blühender Pflanzen ist das Resultat der Maßnahmen modernen, intensiv betriebenen Landwirtschaft. Einen Ausweg aus dieser Krise wird es nur geben, wenn die Landwirtschaft insgesamt weniger intensiv betrieben wird und auf den Feldern und Wiesen wieder mehr Blumen und Kräuter blühen .
Zur Verteidigung der Bauern muss jedoch gesagt werden, dass viele Bauern die Auswirkungen ihrer Betriebsweisen auf die Insekten nicht kennen. Zudem stehen die Landwirte unter enormen wirtschaftlichen Zwängen. Die Erzeugerpreise sind so niedrig, dass nur die Massenproduktion den Betrieben das Überleben sichern kann. Die Konsumenten müssten bereit sein, Lebensmittel angemessen zu bezahlen, dann könnten die Landwirte anders wirtschaften.
Nur mit den Landwirten gemeinsam werden die Imker und alle Insektenfreunde die gegenwärtige Situation ändern können.
Viele Imker sind aufgrund der bewegenden Erfahrungen des letzten Winters aufgewacht. Die heile Welt der Bienen gibt es nicht mehr. Gerade sind engagierte Imker dabei, ein Netzwerk Blühende Landschaft zu gründen.
diese Imker haben sich der Vision verschrieben: Deutschland soll wieder eine blühende Landschaft werden. Der Sommer soll wieder bunt und farbenfroh sein!
Blühende Landschaften sollen aber nicht nur auf den Äckern und Wiesen wiederentstehen, sondern, das Netzwerk soll auch die Hausgärten und auch die Balkone erfassen: Überall soll es wieder blühen, so dass Mensch und Insekten ihre Freude daran haben.
Mut gemacht hat den Imkern bei ihrer Arbeit die Anteilnahme und die Sorge vieler Mitmenschen um das Schicksal der Bienen und der Imkerei. Die Berichte in den Medien über die katastrophale Situation auf vielen Ständen haben die Menschen sehr bewegt und diese haben gezeigt, dass ihnen die Bienen, aber auch die Hummeln, Wildbienen und Schmetterlinge nicht gleichgültig sind.
Die Imker des Netzwerkes Blühende Landschaft wollen diese Sympathie und dieses Umfeld nutzen, um unsere Anliegen in die Öffentlichkeit und in die Politik zu tragen.
Der Zeitpunkt und die Stimmung dafür sind günstig, wie lange nicht.
Was ist Bio-Honig ?
Was unterscheidet Bio-Honig von Honig aus konventioneller Imkerei?
1. Regulierung der Varroamilbe
Seit mehr als 20 Jahren sind auch unsere einheimischen Bienenvölker von der aus Asien eingeschleppten Varroamilbe parasitiert. Allen Imkern ist mittlerweile klar, dass diese Milbe jedes Jahr bekämpft werden muss. Geschieht dies nicht, so würden die Völker innerhalb von 2 Jahren eingehen.
Konventionelle Imker dürfen zur Varroabekämpfung chemische Medikamente der Pharmaindustrie , wie Pyrethroide, etc einsetzen. Allerdings verursachen diese Mittel z.T. sehr große Rückstände in Wachs und Honig, da sie fettlöslich sind und sich im Bienenwachs anreichern.
Die Bio-Richtlinien der EU und ebenso die der ökologischen Anbauverbände dagegen, erlauben zur Varroaregulierung nur den Einsatz organische Säuren, wie Ameisensäure oder Milchsäure. Diese verursachen bei sachgerechter Anwendung keinerlei Rückstände und kommen natürlicherweise in geringen Mengen im Honig vor.
2. Demeter Imker pflegen ihre Bienen artgerecht
Einen Schritt weiter gehen die Demeter Imker. In dieser Art des Imkers hat neben der natürlichen Varroaregulierung der wesensgerechte Umgang mit den Bienen eine große Bedeutung.
Dies ist bei anderen ökologischen Anbauverbänden nicht der Fall. Die dort zugelassenen Betriebsweisen sind mit denen der konventionellen Imkerei identisch.
Bei den Demeter-Imkern hingegen, dürfen sich die Bienen über den natürlichen Schwarmtrieb fortpflanzen, die jungen Königinnen werden nicht künstlich gezüchtet, sondern absolut naturgerecht aufgezogen. Im Brutraum werden die Waben im Naturwabenbau, ohne den Einsatz künstlicher Mittelwände errichtet.
Diese Art des Imkerns zeichnet sich durch eine besondere ökologische Qualität aus.
3. Honig aus einheimischer Imkerei
Die Bienen brauchen in der heutigen Zeit Unterstützung durch menschliche Pflege und Zuwendung. Der Verbraucher kann hierzu seinen Beitrag leisten, indem er Honig aus der Region kauft.
Hier sind die Transportwege kurz und er unterstützt dabei die einheimischen Imker, deren Bienen unsere heimischen Wild- und Kulturpflanzen bestäuben.
Günter Friedmann
Demeter-Imkerei
Küpfendorf Nr. 37
89555 Steinheim
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