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ECO-News - die grüne Presseagentur
Presse-Stelle:
Umweltstiftung WWF - Deutschland, D-60591 Frankfurt
Rubrik:
Naturschutz
Datum:
21.10.1999
Lust auf Luxus-Schals bedroht Tibetantilope
Bis zu 20.000 Tiere werden im Jahr wegen ihrer feinen Wolle gewildert
Frankfurt am Main, 21. Oktober 1999,
Die internationale Naturschutzorganisation WWF (World Wide Fund For Nature) fordert heute das Ende des Handels mit den luxerioesen "Shahtoosh"-Schals, die aus der feinen Wolle der hochbedrohten Tibetantilope hergestellt werden. Darueberhinaus appelliert der WWF an die Verbraucher, auf den Kauf dieser Produkte zu verzichten.
Anlass fuer den Aufruf, den auch prominente Persoenlichkeiten* unterstuetzen, ist die Veroeffentlichung des Berichts "Tibetantilope durch Modewelt vom Aussterbenbedroht" von TRAFFIC, dem gemeinsamen Artenschutzprogramm des WWF und der Weltnaturschutzunion IUCN. Die Studie beweist, dass die erhebliche Nachfrage der Reichen, Schoenen und Modebewussten nach der "Koenigin der Wolle" zu einer Wilderei im grossen Stil auf die Tibetantilope und zu einem gesetzeswidrigen Handel mit diesem hochbegehrten und teuer bezahlten Produkt fuehrt. Vor allem Frankreichs, Italiens, Spaniens und Hong Kongs exclusive Elite gehoeren zu den Hauptkonsumenten der weltweit zartesten Wolle.
Der internationale Handel mit Tibetantilopen und mit Teilen von ihr, also auch den Haaren, ist seit 1979 durch CITES, dem Washingtoner Artenschutzuebereinkommen,untersagt. Auch der Handel und Vertrieb innerhalb Chinas, Indiens und der EU ist verboten. Eine Gesetzesluecke besteht allerdings im indischen Staat Jammu und Kashmir, wo aus der Rohwolle die Schals und Tuecher gewebt werden duerfen. Der Bericht dokumentiert, dass saemtliche illegale Handelsrouten von der Tibetanischen Hochebene in China direkt oder ueber Nepal nach Indien fuehren. Das Gesetz verletzen jedoch nicht die Weber Jammus oder Kaschmirs, sondern die Haendler, die die Rohwolle in diese Staaten schmuggeln und spaeter die exquisiten Schals fuer teures Geld ins Ausland exportieren.
"Unser Bericht beweist eindeutig den Zusammenhang vom Massentoeten einer bedrohten Tierart mit der Neigung einiger Prominenter die Schals ueber ihre Ballkleider zu drapieren oder aber ihre Neugeborenen darin einzuwickeln", kritisiert die verantwortliche TRAFFIC-Expertin Judy Mills. "Die Tatsache aber, dass uns bekannte Persoenlichkeiten bei der Veroeffentlichung des Berichts unterstuetzt haben, laesst hoffen, dass das Gemetzel an den Tieren bald ein Endehaben wird". So unterstreicht beispielsweise der international bekannte Schriftsteller Khushwant Singh mit seiner deutlichen Kritik die Naturschuetzer: "Die Tibetantilope kann nicht auf dem Altar der menschlichen Eitelkeit geopfert werden".
Allein fuer 300 bis 600 Gramm Rohwolle, die ein einziger Schal benoetigt, muessen drei bis fuenf Antilopen getoetet werden. Um 1900 wies die Antilopen-Populationnoch gut eine Million Exemplare auf. Die wilden und scheuen Tibetantilopen leben nur auf einem begrenzten Teil des Tibetanischen Hochplateaus in China, wo die Zahl der in der Wildnis lebenden Tiere auf weniger als 75.000 zurueckgegangen ist.
Das Haar der Tibetantilope, die auch unter dem Namen Tschiru bekannt ist, misst nur Dreiviertel des Durchmessers eines Kaschmir-Wollhaars und ein Fuenftel einesmenschlichen Haars. Damit zaehlt es zu den feinsten Haaren der Welt. Die unvergleich feinen Shahtoosh-Schals lassen sich mit Leichtigkeit durch einen Fingerring ziehen. Daher ruehrt auch ihr zweiter Name: "Ring-Schal". Die Preise fuer die teilweise aufwendig bestickten Luxus-Accessoires reichen von 1.800 Mark pro Schal bis zu 9.000 Mark und darueber.
"Wir wissen, das mehrere Tausend der hochwertigen Schals an jedem Wintertag in Delhi zum Verkauf angeboten werden", betont der Direktor des indischen TRAFFIC-Programms, Manoj Misra. "Wir wissen auch, dass die vermoegende Elite der Welt, Diplomaten eingeschlossen, dafuer sorgt, dass Shahtoosh-Ware aus Indien im persoenlichen Gepaeck, mit Hilfe von Kurieren und per Post hinaus geschmuggelt wird".
Shahtoosh-Schals wurden als Mitgift Jahrhunderte lang im Norden Indiens hoch geschaetzt. Die kapitalkraeftigen Kreise der Mode-Welt haben allerdings erst gegen Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre eine Nachfrage entfacht, der im Jahr bis zu 20.000 Tibetantilopen durch Wilderei zum Opfer fallen.
Der WWF-Deutschland unterstreicht die Forderungen der Studie nach einem gesetzlichen Verbot von Verarbeitung und Handel mit Shahtoosh in Jammu und Kashmir (Indien) sowie nach einem Stopp des weltweiten Exports und Imports. Zusaetzlich muesse die Unterstuetzung und Ausdehnung der derzeit hoffnungslos ueberforderten Anti-Wilderer-Einheiten vor Ort in Zukunft gewaehrleistet werden.
*u.a. Top-Model Shalom Harlow/ die amtierende Miss Indien und der indische Schriftsteller Khushwant Singh
Weitere Informationen, Fotos auf CD-Rom, eine sechseitige Zusammenfassung (englisch) und sendefaehiges Betacammaterial erhalten Sie bei der Umweltstiftung WWF-Deutschland, Presseabteilung, Susanne Diderich, Tel.: 069 / 79144 - 178/128, Fax: 069 / 79144 - 116; Referatsleiter Artenschutz & TRAFFIC, Roland Melisch, Tel.: 069 / 79144 - 180; am Donnerstag, den 21. Oktober ab 14 Uhr unter Mobiltelefon: 0171 / 145 42 72;
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