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ECO-News - die grüne Presseagentur
Presse-Stelle:
Der Spatz - Alternativer Anzeiger für Bayern, D-80999 München
Rubrik:
Land und Gartenbau
Datum:
05.06.2002
Öko-Samen für den Bio-Garten
Umweltschutz im Garten - Hände weg von Pestiziden und Torf
Künstlicher Dünger und chemischer Pflanzenschutz. Nicht nur die konventionelle Landwirtschaft setzt immer noch auf diese umweltschädlichen Produkte. Auch im Garten greifen allzuviele Menschen zu diesen zweifelhaften Segnungen der chemischen Industrie. Doch dies muß und darf nicht sein. Schon seit Jahren predigt das Umweltbundesamt, daß im Garten ganz auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet werden sollte. Außerdem sollte man die Finger von Torf als Blumenerde oder als "Bodenverbesserer" im Garten lassen. Denn für Torf wurde und werden nicht nur Moore in Deutschland und auf den britischen Inseln, sondern neuerdings ebenso in den ehemaligen Ostblockstaaten zerstört.
Der Schrebergarten am Stadtrand, der Garten vor dem Haus, der Schulgarten: sie alle können zu einer gesunden Umwelt und zu sauberem Grundwasser beitragen und darüberhinaus gesunde, biologische Nahrungsmittel, Gemüse und Obst liefern. Vorausgesetzt man pflegt die Gärten nach biologischen Richtlinien und läßt auch der Natur ihren Raum. Hobby- und Profi-Gärten können zudem einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung der Vielfalt in der Tier und Pflanzenwelt leisten, der nicht zu unterschätzen und Lebensnotwendig ist. Denn die Artenvielfalt ist ernsthaft bedroht. Falls Sie es noch nicht wußten: 2002 ist das "Jahr der biologischen Vielfalt" in Deutschland. Das Umweltbundesamt will so darauf aufmerksam machen, daß die Vielfalt an Pflanzen und Tieren Jahr für Jahr weniger wird, vor allem weil wir in den Industrieländern der Vielfalt auf unserer Erde die Entfaltungsmöglichkeiten nehmen.
Weltweit ist besonders der Bestand an Nahrungspflanzen bedroht. Jedes Jahr gehen Dutzende von alten Pflanzenarten auf ewig verloren, einfach nur deshalb, weil niemand sie mehr anbaut. Zahlen aus den USA, die in Europa nicht besser aussehen, belegen dies: 1903 wurden dort noch 408 unterschiedliche Arten von Erbsen angebaut. 1983 waren in den USA nur noch 25 davon bekannt, Tendenz fallend. Dies bedeutet, daß in den ersten 80 Jahren des 20. Jahrhunderts rund 94 Prozent der Erbsen-Vielfalt in den USA auf immer und ewig verloren gegangen sind. Der Verlust sieht bei fast allen Gemüsesorten ähnlich dramatisch aus und er geht weiter. Von 357 Zwiebelarten gibt es nun in den USA nur noch höchstens 21, von 55 Kohlrabisorten nur noch 3, von 578 Gartenbohnensorten nur noch 32, von 287 Mohrrübensorten nur noch 21, von 408 Tomatensorten nur noch 79, von 285 Gurkensorten nur noch 16, usw...
Bei Obst sieht die Situation nicht besser aus wie zum Beispiel beim Apfel. Von den 7098 in den USA bis 1904 gebräuchlichen Apfelsorten sind bereits über 86 Prozent verloren gegangen. Mindestens 6121 Apfelsorten sind nicht mehr vorhanden. Und von den 2683 vor 100 Jahren noch in den USA bekannten Birnensorten sind heute über 87,7 Prozent ausgestorben...
Es wird allerhöchste Zeit dieser von Menschen gemachten Erosion der Artenvielfalt unserer Kulturpflanzen Einhalt zu gebieten. Wenn schon die Regierungen so gut wie nichts dagegen unternehmen, sollten wir aktiv werden. Die Millionen von Haus-, Bauern-, und Hinterhofgärten und gerade auch die Schul- und Stadtgärten in Deutschland können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dieses einmalige Erbe der Menschheit, nämlich die Vielfalt unserer Kulturpflanzen, zu erhalten und gleichzeitig unsere Landschaft ästhetischer zu gestalten. Es muß ja nicht jeder Garten wie ein steriler, kleiner Golfplatz aussehen.
Der in München ansässige Verein Inka engagierte sich seit einiger Zeit für den Erhalt der Artenvielfalt von Kulturpflanzen und lädt Schulen in ganz Deutschland dazu ein, mitzumachen. Die Schulgarten AG der Münchner Hauptschule in der Reichenaustraße beispielsweise baut - zusammen mit Inka - alte, fast schon ausgestorbene Kartoffelsorten an und hält sie dadurch für kommende Generationen am Leben.
Um den Erhalt der Artenvielfalt kümmern sich auch biologische Gärtnereien, einige bäuerliche Betriebe und Bio-Saatgut-Produzenten. Eine gute Adresse für den Erhalt der biologischen Vielfalt im Gartenbau ist der "Verein zu Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN)" in Schandelah. Aus "Sorge um unsere Nahrungsgrundlage" wurde auch der "Saatgutfonds der Gemeinnützigen Treuhandstelle" mit Sitz in Bochum gegründet. Mit Hilfe von Spendengeldern will dieser Saatgutfonds den Bestand an Kulturpflanzen vor allem für den ökologischen, auf regionale Vielfalt ausgerichteten Landbau sichern helfen.<
Zum Thema empfehle ich das immer noch brandaktuelle Buch von Pat Mooney und Cary Fowler, "Die Saat des Hungers - Wie wir die Grundlagen unserer Ernährung vernichten". rororo, 1991, ISBN 3-499-12987-5<
Nützliche Adressen für Saatgut und weitere Information:
Arche Noah (Österreichischer Verein zur Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt) Internet:
www.arche-noah.at
Gemeinnützige Treuhandstelle (Saatgutfonds), Tel. 0234-30793-0, Fax 0234-30793-33
Inka (Internationales Netzwerk für Kultur- und Artenvielfalt), Gravelottestr. 6, D-81667 München, Tel. 089-45911919, Email: inka@inka-ev.de, Internet
www.inka-ev.de
. (In München setzt sich der Verein Inka für den Erhalt der Artenvielfalt ein und arbeitet auch mit Schulen zusammen.)
Pro Specia Rara (Schweizer Stiftung zur Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen und Kulturpflanzen) Internet
www.psrara.org
VEN - Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt, Sandbachstr. 5, D-38162 Schandelah, Email: ven.nutz@gmx.de, Internet
www.nutzpflanzenvielfalt.de
Verein zur Förderung der biologisch-dynamischen Gemüsesaatzucht, Auguste-Viktoria-Str. 4, D-61231 Bad Nauheim, Tel. 06032-918617
Allerleirauh (Saatgut-Firma), Kronstraße 24, D-61209 Echzell, Tel. 06035-812 16
Dreschflegel Bio-Saatgut, Postfach 1213, 37202 Witzenhausen, Tel. 05542-502744
www.dreschflegel-saatgut.de
Naturwuchs Gärtnerei (Saatgut-Firma), Bardenhorst 15, D-33739 Bielefeld, Tel 0521-875-1500
ReinSaat (Saatgut-Firma), St. Leonhard am Hornerwald, A-3572 Österreich, Email: reinsaat@reinsaat.co.at
Versandgärtnerei Strickler (Saatgut-Firma), Lohgasse 1, D-55232 Alzey-Heimersheim, Tel. 06731-3831
Rindenmulch und Kompost ist besser als Torf
Im Fachhandel, Supermärkten und Baumärkten hat der Profi- und Hobby-Gärtner die Qual der Wahl. Welche Blumenerde, welchen Bodenverbesserer soll man bloß kaufen? Ganz sicher nicht Produkte, in denen Torf enthalten ist. Denn hierfür werden Ökosysteme in Nord- und Osteuropa unwiederbringlich vernichtet, die mehrere Tausend Jahre alt sind. Viel besser und ökologischer ist es Rindenmulch und Kompost zu verwenden. Manche Städte und Gemeinden produzieren aus dem Bio-Abfall ihrer Einwohner selbst hochwertigen Kompost, denn sie an Interessenten weitergeben. Fragen Sie doch in Ihrer Gemeinde nach. Verwenden Sie den städtischen Kompost und lassen Sie die Torfprodukte im Laden stehen. So helfen Sie die Artenvielfalt erhalten und gleichzeitig der sinnvollen Mülltrennung.
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