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Presse-Stelle:  ECO-News Deutschland, D-81371 München
Rubrik:Mode & Kosmetik    Datum: 02.02.2016
Mitten in Europa: Zwangsüberstunden und Armutslöhne in der Modebranche
"Made in Europe" ist keine Garantie für gute Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie.
Verpflichtende Überstunden: ArbeiterInnen werden gezwungen, Überstunden zu machen, um ihren Anspruch auf Urlaub benützen zu können. Graphik: Clean Clothes Campaign
Die Ergebnisse der heute von der Clean Clothes Kampagne veröffentlichten Länderdossiers über Polen und Tschechien zeigen, dass mitten in Europa ArbeiterInnen, die für Calvin Klein, Schiesser und Hugo Boss produzieren, Armutslöhne verdienen.

Die von der Clean Clothes Kampagne befragten NäherInnen produzieren für Luxus Marken wie Calvin Klein, Schiesser und Hugo Boss. Sie verdienen den Mindestlohn (312 EUR in Polen und 390 EUR in Tschechien, 2015) oder weniger. Für einen existenzsichernden Lohn, der ein Leben in Würde garantiert, müssten die NäherInnen das Dreifache verdienen.

Den geringsten Anteil der Profite der Modebranche erhalten die ProduzentInnen. "Hatten wir zu wenige Aufträge? Nein! Wir gingen in Arbeit unter; es gab genug Aufträge - solange wir ohne Jahresurlaub für Hungerlöhne immer fleißig Überstunden leisteten und nicht den Mund aufmachten. Unsere Schufterei hat jemanden sehr reich gemacht", berichtet eine polnische Arbeiterin im Interview.

Die Autorin des tschechischen Länderdossiers, Lenka Simerska, hebt hervor, "dass viele Frauen selbst nach 20 Jahren Betriebszugehörigkeit noch immer nur den Mindestlohn erhalten und ihnen der gesetzlich vorgeschriebene Überstundenzuschlag nicht ausbezahlt wird". Anna Paluszek, die Autorin der polnischen Studie, ergänzt: "Die Arbeiterinnen und Arbeiter werden unter ständigen Akkord- und Verlagerungs-Druck gesetzt. Er entsteht durch hohen Zeit- und Preisdruck der Auftraggeber. Aus Angst ihre Arbeit zu verlieren unternehmen die Menschen nichts gegen ihre Situation. Sie haben die Hoffnung auf eine menschenwürdige Arbeit aufgegeben." Gewerkschaften sind in den Betrieben kaum zu finden.

"Egal ob in Asien oder Europa genäht wird, die Bekleidungsindustrie profitiert von der Ausbeutung von Menschen. Es ist höchste Zeit, dass Bekleidungsunternehmen und Regierungen den Arbeiterinnen ein Leben in Würde ermöglichen - nicht in Not und Armut", betont Kathrin Pelzer von der Clean Clothes Kampagne.

Die Clean Clothes Kampagne fordert als dringendste Maßnahme von der europäischen Bekleidungsindustrie, den Nettolohn auf mindestens 60% des nationalen Durchschnittslohns anzuheben. Die Ergebnisse der Länderdossiers von Tschechien und Polen zeigen, dass der aktuelle Mindestlohn nicht die grundlegenden Bedürfnisse der Arbeiterinnen und ihrer Familien deckt und Armut verstärkt.

"Gesetzliche Mindestlöhne müssen auf jeden Fall die Lebenserhaltungskosten widerspiegeln und dürfen auf keinen Fall unter der nationalen Armutsgrenze liegen", fordert Bettina Musiolek von der Clean Clothes Kampagne.

Hintergrundinformationen:
Länderdossiers Polen und Tschechien

Die Clean Clothes Kampagne (CCK) setzt sich für faire Arbeitsbedingungen in der Bekleidungs- und Sportartikelproduktion ein. Die CCK ist Teil der Clean Clothes Campaign, einer Koalition von Kampagnen in 17 europäischen Ländern mit einem Netzwerk von über 250 Partnerorganisationen weltweit und wird in Österreich von Südwind koordiniert und von zahlreichen gewerkschaftlichen, kirchlichen, frauen- und entwicklungspolitischen Organisationen getragen.

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