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Presse-Stelle:  Der Spatz - Alternativer Anzeiger für Bayern, D-80999 München
Rubrik:Essen & Trinken    Datum: 23.07.2010
Vom Bio-Laden zum Bio-Big-Business
Seit 20 Jahren begleitet "der Spatz" die Entwicklung der Bio-Szene. Kleine Länden, die Gemüse von idealistischen Bio-Bauern aus der Region verkauften, machten den Anfang. Ideale ersetzten Profession. Heute bestimmt das Big-Business die globalisierte und industrialisierte Bio-Branche. Profession und Profitstreben ohne Ideale außer der Sucht nach mehr. Rohstoffe werden von überall her gekarrt, Hauptsache billig.

Statt der konventionellen umwelt- und geschmackzerstörenden Nahrungsmittelindustrie den "Stinkefinger" zu zeigen, hechelte die Bio-Szene ihr in den vergangenen 20 Jahren hinterher und kopierte sie - alles natürlich in Bio-Qualität. Von der Tütensuppe bis zu den unsäglichen Zuchtgarnelen aus den Tropen.

Palmöl-Konzerne wie Daabon in Kolumbien, die offensichtliche keine Probleme damit haben für den eigenen Profit Kleinbauern zu vertreiben; Zertifizierer wie der brasilianische Demeter-Ableger Instituto Biodinamico oder Ecocert, die so ziemlich alles und jeden Öko-zertifizieren, solange die Kasse stimmt. Selbst der größte konventionelle Palmöl- und Palmdieselproduzent Lateinamerikas, der Konzern Agropalma, darf sich mit einem Bio-Siegel von Demeter-Brasilien schmücken. Nur 10 Prozent Bio-Produktion? Kein Problem. Vertreibung von Kleinbauern oder Ureinwohnern? Kein Problem! Abholzung von Cerrado? Kein Problem! Bio-Hühner oder Bio-Lachs, die Soja aus den Tropen im Futtertrog haben? Kein Problem, solange das Soja ein wie auch immer zertifiziertes Bio-Siegel hat! Jeder Bio-Verband macht sich ja heutzutage faktisch seine Regeln selbst auf Basis des kleinsten gemeinsamen Nenners. Oder stimmt das etwa nicht?

Einer der größten Fehler der Bio-Branche war es, internationalen Bio-Regeln zuzustimmen, die auch Betrieben den Bio-Segen geben, die nicht 100 Prozent biologisch arbeiten. Ehrliche, idealistische Bio-Bauern müssen seitdem mit internationalen Großbetrieben und Konzernen konkurrieren, für die Bio-Produktion nur Abschöpfen von weiteren Profiten bedeutet.

Bio-Szene und Bio-Anbau haben in den vergangenen 20 Jahren viel an Fläche aber auch an Konzernmasse zugelegt und etliche Multimillionäre geschaffen, doch gleichzeitig auch viel an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Aber es ist nie zu spät für ein Umdenken. Noch gibt es standhafte Urgesteine, die Beispiel sein können. Nicht "Big und Global", sondern "Small und Regional" ist beautiful.

Schaun wir mal, ob die Bio-Szene in den kommenden 20 Jahren noch mal die Kurve kriegt! "Der Spatz" wird's weiter vom Dach pfeifen.

Herzlichst
Norbert Suchanek
Rio de Janeiro


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