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Presse-Stelle:  Der Spatz - Alternativer Anzeiger für Bayern, D-80999 München
Rubrik:Essen & Trinken    Datum: 13.08.2009
Gutes von daheim
Produkte aus der Region
Noch vor fünfzig Jahren hätte man sich über die Qualität seiner Lebensmitteleinkäufe - bio oder nicht, Birnen aus Argentinien ja oder nein - keine Gedanken machen müssen: Es gab schlicht keine anderen Produkte als die heimischen. Alles was man brauchte, kam aus einem Umkreis von etwa hundert Kilometern*. Die brachte oft noch der Bauer einmal die Woche in die Stadt - und schaffte es, seine Familie nebst ein paar Angestellten mit einigen Hektar durchzubringen.

Heute ist das unmöglich, dem Fortschritt ist's gedankt. Erst als Chemiefabriken in großem Stil Kunstdünger und Pestizide produzieren und auf den Markt bringen konnten, änderte sich die landwirtschaftliche Erzeugung von Obst, Gemüse, Getreide, Milch, Eiern und Fleisch - und auch Saft, Bier, Schnaps, Marmelade und was alles aus den Rohstoffen der Landwirtschaft hergestellt werden kann.

Klimaschädliche Lebensmitteltransporte

Heute, nach vielen Skandalen um Pestizide und Gammelfleisch haben sich Erzeuger und Verbraucher zusammengetan, um Frische und Qualität aus der Region wieder stärker zu propagieren gegenüber den oft transnational aufgestellten Supermärkten. Deren Waren werden oft in irrwitziger Weise durch einige Länder hin und her transportiert - wie die norddeutschen Krabben, die in Marokko gepult werden und dann wieder hier in den Verkauf kommen, oder Kartoffeln, die zum Waschen nach Polen gefahren werden. Ein Joghurt kann 9000 Kilometer zurückgelegt haben bis er ins Regal gelangt.

Bei der Rationalisierung und Fusionierung im Lebensmittelsektor sind viele regionale Erzeuger auf der Strecke geblieben. Wenige zentrale Verarbeitungs- und Lagerorte versorgen die Geschäfte in ganz Europa - meist per Lastwagen. Rohstoffe werden dorthin geschafft, wo sie am billigsten verarbeitet werden. Gleiche Ware - wie Schweinefleisch - wird, z.B. nach England, über Grenzen sowohl exportiert wie importiert. Dieser extreme Transport ist nicht nur selbst klimaschädigend sondern hat auch einige Folgekosten: Straßenbau, Flächenverbrauch, Verkehrsunfälle, Gesundheits- und Umweltschutzmaßnahmen. Diese tragen aber nicht die verursachenden Unternehmen, sondern der Steuerzahler, der entsprechende Maßnahmen von Bund und Ländern ja letztendlich bezahlt. Und diese sind nicht gering. Martin Demmeler, wissenschaftlicher Mitarbeiter der TU München am Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Landbaus hat Zahlen errechnet: "In den letzten zwanzig Jahren haben sich die Lebensmitteltransporte verdoppelt. Sie belasten die Gesellschaft jährlich mit mehr als zehn Milliarden Euro an Umwelt- und Gesundheitskosten." Trotz der LKW-Maut seien die Transportkosten im Vergleich zu den übrigen Kosten eines Produkts immer noch viel zu gering. Es gälte, neue Wege zu finden, damit die externen Transportkosten den Verursachern gerecht zugeteilt werden könnten. "Der gesamte Güterverkehr soll bis 2015 um mehr als 60 Prozent in Deutschland zunehmen." Eine Möglichkeit wäre eine Schwerverkehrsabgabe, wie sie in der Schweiz besteht.

Bio + regional + saisonal ist beste Wahl

Wer eine einfache Anweisung für seinen Einkauf sucht, ist mit diesem Motto gut bedient. Denn "gut drei Viertel des durchschnittlichen Lebensmittel-Warenkorbs können mit landwirtschaftlichen Produkten aus dem Umkreis von 100 Kilometern gefüllt werden", behauptet Demmeler. Während vor fünfzig Jahren noch der überwiegende Teil unserer Lebensmittel aus der Region kam, liegt der Anteil regional erzeugter und konsumierter Ware heute lediglich höchstens um fünf Prozent, schätzt er. "Es sind vor allem Lebensmittel wie Eier, Milch, Fleisch, die auf der Suche nach dem billigsten Schlachthof, der preiswertesten Mühle oder dem besten Absatzmarkt quer durch Europa und zunehmend über den ganzen Globus transportiert werden." Wegen dieser vielfältigen Handelsverflechtungen ist der Markt sehr undurchsichtig, der Verbraucher kann in den seltensten Fällen erkennen, woher die Ware stammt.

Deswegen haben sich in den letzten Jahren in vielen Gebieten Produzenten zu Regionalvermarktungsinitiativen zusammengeschlossen. Denn an der Ladentheke entscheidet der Kunde auch über Wohl und Wehe seiner Landsleute, darüber ob Betriebe in der Umgebung überleben können oder schließen und Arbeitskräfte entlassen müssen. Wer regional erzeugte Waren kauft, hat aber auch für sich selbst einen Vorteil, denn Lebensmittel, die keine langen Wege hinter sich haben, sind ausgereifter und frischer. "Außerdem ist die soziale Kontrolle viel größer, da der Hersteller dem Kunden direkt bekannt ist", erklärt Demmeler, "das schafft Vertrauen in die Produkte und gibt Sicherheit." Für einen landwirtschaftlichen Betrieb lohne sich seinen Untersuchungen zufolge jede Beteiligung an der regionalen Wertschöpfungskette.

Qualität ab Hof

Nach Informationen der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern e. V. wirtschaften in Bayern derzeit über 5.500 landwirtschaftliche Betriebe nach den Kriterien des ökologischen Landbaus auf einer Fläche von über 170.000 Hektar. 1.200 Betrieben vermarkten ihre Produkte auch direkt - im eigenen Hofladen zum Beispiel. Daneben gibt es zur regionalen Vermarktung Initiativen wie Tagwerk, Unser Land, Chiemgau aktiv, die fränkischen Regionaltheken oder "Von hier" im Allgäu. Auch die beliebten und kundenfreundlichen Ökokisten bemühen sich um die Vermarktung regionaler Produkte. Und es gibt sie glücklicherweise noch, die traditionellen Beriebe, die sich der Qualität aus der Region verbunden fühlen. Im Zuge des Bio-Booms lassen sich etwa Saft und Molkereiprodukte gut verkaufen - sie erfüllen hier höchste Standards und erhalten daneben die Kulturlandschaft mit dem Anbau heimischer Sorten. Warum sollte man also zu "weitgereisten" Waren greifen, wenn der Betrieb aus der Region das Produkt ganz frisch auf den Markt bringt? So wie der Saftbetrieb, der mit seinem Konzept "Echt Bayern. Vom Ammersee" den wirtschaftlichen Nutzen für die Region mit Klimaschutz, Artenvielfalt und Frische verbindet.

Viele Bauern vermarkten ihre Erzeugnisse - manchmal auch mit Hilfe von Naturschutzverbänden - direkt ab Hof. Vor allem bei Biofleisch in größeren Paketen von fünf bis zehn Kilo ist das auch für die Verbraucher lukrativ. Da man mit dem Auto kommen muss, ist es - auch für 's Klima - günstig, wenn sich mehrere zusammentun und gleich für fünf, sechs Haushalte einkaufen. Aber auch Gemüse, Obst, Eier und Honig kann man oft direkt beim Bauern holen, viele haben kleine Verkaufshütten mit ihren Produkten und denen von Nachbarhöfen auf dem Hof und vertrauen auf die Ehrlichkeit der Kunden. Auch hier bietet sich der Sammeleinkauf an. Wer nicht auf den Hof kommt, hat aber sicher einen Wochenmarkt in der Nähe und kann sich dort die landfrischen Waren aus der Region besorgen.

Auf der Suche nach regionalen Waren hilft das Regional- und Bio-Zeichen 'Öko-Qualität garantiert - Bayern'. Es kennzeichnet Produkte, deren landwirtschaftliche Zutaten nach ökologischen Kriterien erzeugt wurden und zu mindestens achtzig Prozent aus Bayern stammen. Die Qualitäts- und Prüfbestimmungen des Zeichens basieren unter anderem auf der EG-Öko-Verordnung, regeln einige Punkte aber strenger. Träger des Zeichens ist das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF), das auch für die Genehmigung der Qualitäts- und Prüfbestimmungen zuständig ist. Lizenznehmer können Organisationen oder Verbände der Land- und Ernährungswirtschaft mit Genehmigung des StMLF werden, das auch für die Kontrolle zuständig ist.
Wer was wo kauft, das ist für viele Bauern eine wichtige Frage. Denn letzten Endes bestimmt auch der Konsument mit seinem Einkauf, ob unsere Bauern von ihrer Arbeit (über)leben können.

Andrea Reiche

Infos im Internet:
www.oekoland-bayern.de

*Martin Demmeler:
www.markt-region.de/publikationen/klima_region_broschuere-mareg2009.pdf



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