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ECO-News - die grüne Presseagentur
Presse-Stelle:
ECO-News
De
utschland, D-81371 München
Rubrik:
Umwelt & Naturschutz
Datum:
03.04.2009
Globalisierung schürt Gefahr invasiver Arten
Jährlich zehn Mrd. Euro Schaden für Gesundheit, Ökologie und Wirtschaft
Eindringling aus Spanien im Garten (Foto: pixelio.
de
/Schönemann)
Bern (pte/03.04.2009/13:45) - Europa erkennt die Zeichen
de
r
Zeit
nicht, die die Bedrohung
de
r Ökologie durch eindringende Tiere und Pflanzen darstellt. So lautet die Warnung
de
s Ökologen Philip Hulme von
de
r neuseeländischen Lincoln University
www
.lincoln.ac.nz
in einem Artikel
de
s Fachmagazins Science. In Europa gebe es keine Regierungskultur oder institutionelle Koordination, die sich
de
s Problems invasiver Arten annimmt. Hulme empfiehlt die Schaffung einer einzigen Institution zum Management invasiver Arten, in
de
r Ressourcen und Aktivitäten zusammengeführt werden. Grundlage dieser Aussagen sind Forschungen
de
s europäischen Forschungsnetzwerkes DAISIE
www
.europe-aliens.org
.
De
mnach sind
de
rzeit 11.000 invasive Organismen in Europa verbreitet. "Jeweils knapp die Hälfte sind Pflanzen und wirbellose Tiere wie Insekten, etwa tausend sind Pilze, Mikroorganismen oder Bakterien. Auch Organismen im Süßwasser oder im Meer gehören dazu", erklärt Wolfgang Nentwig, Ökologe
de
r Universität Bern
www
.unibe.ch
, im pressetext-Interview.
Als "invasiv" werden Organismen bezeichnet, die im Jahr 1500 noch nicht in Europa heimisch waren. "Die Entdeckung Amerikas nimmt man auch als Ausgangspunkt dafür, dass Europa seine Arten im großen Stil nach außen transportierte. Dann kam es zu einem Bumerang-Effekt, und die Arten wurden eingeschleppt", so Nentwig. Eindeutiger Hauptschuldiger sei
de
r Mensch. "Teilweise geschieht die Verschleppung bewusst, wenn etwa Haustiere in
de
n Urlaub mitgenommen werden. Damit transportiert man die heimischen Parasiten ins Ausland und importiert von dort neue." Das Mitbringen fremdländischer Pflanzen, die sich selbstständig weiter verbreiten, habe einen ähnlichen Effekt, ebenso das Entschwinden exotischer Haustiere. "Vielfach werden Arten jedoch unabsichtlich eingeschleppt, wenn etwa auf chinesischen Containern mit Elektronikprodukten Pflanzensamen, Tiereier oder Kokons mitgebracht werden", so
de
r Berner Ökologe. Auch
de
r Bau von Wasserkanälen wie
de
r Rhein-Main-Donaukanal begünstige eine Verbreitung von Organismen, die etwa auf
de
r Schiffsunterseite als blinde Passagiere mitreisen. Dieser Prozess sei in seiner Gesamtheit irreversibel und nehme jedes Jahr nach exponentiellem Schema zu.
"Invasive Arten sind keine Bereicherung für die Artenvielfalt, sondern eine Bedrohung", so Nentwig. Für
de
n Menschen bringe die Einschleppung neue stechende, giftige oder Allergie auslösende Organismen, darüber hinaus seien Schä
de
n ein beachtliches ökonomisches Problem. "Dämme und
De
iche werden plötzlich durch neue Wühltiere bedroht, das Getreide von neuen Schädlingen." Hochrechnungen gehen davon aus, dass sich
de
r ökonomische Aufwand für Reparaturmaßnahmen europaweit auf mindestens zehn Mrd. Euro pro Jahr beläuft. "Dabei handelt es sich nicht um eine Phantasiezahl, sondern um die unterstmögliche Grenze,
de
nn bei 90 Prozent aller invasiven Arten sind die Folgeschä
de
n noch nicht erforscht", so Nentwig.
Zudem seien die ökonomischen Schä
de
n meist auch ökologische, betont Nentwig. Unter
de
n 100 Arten, die das DAISIE-Projekt als die schlimmsten bezeichnet, befindet sich die aus Osteuropa stammende Zebramuschel. "Sie verstopft Wasserrohre, Schiffswege wie auch Kühlsysteme von Atomkraftwerken und sorgt dafür, dass einheimische Arten verschwinden." Weitere Beispiele sind die giftige Killeralge Caulerpa, die in Filzteppichen die Mittelmeer-Seegraswiesen überwuchert und dabei die Lebensgrundlage vieler Fische zerstört, sowie
de
r Ulmenpilz,
de
r zum Absterben von bereits 90 Prozent aller heimischen Ulmen geführt hat. Die bekannteste Plage ist wahrscheinlich die spanische Wegschnecke, die seit
de
n 70er Jahren über Gemüseimporte aus Spanien
de
n Weg nach Mitteleuropa gefunden hat. "Raps, Getreide und Mais müssen seither mit Molluskiziden behandelt werden, die auch einheimische Schnecken töten."
Um dieser Entwicklung gegenzusteuern, hält Nentwig die Umsetzung bereits bestehender Regelungen für dringend. "Es gibt etwa eine Verordnung über die Reinheit von Saatgut, die nicht umgesetzt wird, obwohl sie bestimmte Probleme lösen könnte. Beispielsweise enthalten Sonnenblumenkerne, die als Vogelfutter vertrieben werden, über ein Prozent Ambrosia-Samen, die bei
de
r Fütterung zu Boden fallen und sofort keimen. Dieses Unkraut hat jedoch hohes allergenes Potenzial und verursacht jährlich horrende Gesundheitskosten." Eine Einhaltung
de
r Reinheitsbestimmungen könne dies verhindern, jedoch wolle die Politik die Saatgutverteiler nicht brüskieren und die Preise in die Höhe treiben.
De
r Trend zu immer mehr freiem Waren- und Personenverkehr beschleunigt die Invasion. "Mit
de
m Wegfall
de
r Grenzkontrollen entfallen auch alle hygienischen Sicherheiten", so Nentwig. Australien, Neuseeland und die USA kontrollieren weitaus gezielter Reisegepäck oder Transportgüter, da das Problem invasiver Arten in diesen Ländern bereits noch größere Dimensionen angenommen habe. Als Schwierigkeit in Europa sieht Nentwig das fehlende Bewusstsein seitens
de
r Bevölkerung. "Würde die Gefahr bestehen, dass Malaria oder Gelbfieber importiert wird, wäre das öffentliche Interesse sowie die Bereitschaft zu Maßnahmen sofort vorhanden. Bei
de
n invasiven Arten ist die Toleranzschwelle jedoch noch sehr hoch." Als
de
nkbare Maßnahme sieht Nentwig das Einfordern stärkerer Verantwortung und Haftung von Lieferanten aus Übersee dafür, dass mit gelieferten Waren keine nicht-heimischen Arten eingeschleppt werden.
International wurden bereits Regelwerke zur Eindämmung
de
r Problematik geschaffen, etwa durch die Biodiversitätskonvention von Rio
www
.cbd.int
. Doch auch
de
ren Umsetzung steckt noch in Kinderschuhen. "In
de
n einzelnen Ländern gibt es sehr unterschiedliche Vorschriften, doch zwischen
de
n Behörden gibt es keinen Austausch oder Kooperation. Eine europäisches Koordination
de
s Managements invasiver Arten könnte hier ein richtiger erster Schritt sein", so
de
r Berner Ökologe abschließend zu pressetext. (Ende)
Aussender: pressetext.schweiz
Redakteur: Johannes Pernsteiner
email: pernsteiner@pressetext.com
Tel. +43-1-81140-316
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Johannes Pernsteiner, pressetext.schweiz
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www
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