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Presse-Stelle:  Bündnis 90/ Die Grünen Bundesvorstand, D-10115 Berlin
Rubrik:Essen & Trinken    Datum: 19.11.2008
Bund und Länder müssen Schulobstprogramm unterstützen
Zu den Beschlüssen des Europäischen Parlaments für ein Schulobst-Programm erklärt Ulrike Höfken, Sprecherin für Ernährungspolitik und Verbraucherfragen:

Wir fordern die Bundesregierung auf, das gestern vom Europäischen Parlament beschlossene Schulobstprogramm zu einem ersten Bestandteil der Schul- und Kita-Verpflegung zu machen und damit in die kostenlose Schul- und Kita-Verpflegung - insbesondere für die armen Bevölkerungsgruppen - einzusteigen.

Das mit großer Mehrheit beschlossene Schulobstprogramm muss von den EU-Agrarministern nun mit entsprechenden Mitteln ausgestattet werden. Ziel muss sein, allen Kindern ab dem Vorschulalter kostenlos frisches Obst und Gemüse aus regionalem Anbau zur Verfügung zu stellen. Das Schulobst sollte in Bio-Qualität sein, da diese im Durchschnitt weitaus weniger mit Pestiziden belastet sind als konventionell erzeugte Produkte. Die Bundesregierung muss nun die entsprechende Kofinanzierung bereitstellen und die schnellstmögliche Umsetzung vorbereiten.
Insgesamt sind in Deutschland etwa 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche auf Leistungen von Hartz IV angewiesen. Jedes dritte Kind geht ohne Frühstück zur Schule, sie nehmen aus finanziellen oder anderen Gründen nicht am Mittagessen teil und ernähren sich zwischendurch von Süßigkeiten und Fast Food. Allein in Deutschland sind circa 2 Millionen Kinder und Jugendliche übergewichtig, 800.000 von ihnen leiden unter Adipositas und werden damit ihrer Zukunftschancen beraubt, denn Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten werden im frühen Kindesalter geprägt.
Die Bundesregierung wäre gut beraten, das Thema Schul- und Kita-Verpflegung aufzugreifen. Als ersten Schritt fordern wir, dass allen Kindern, die über Mittag in der Schule betreut werden, ein qualitativ gutes und bezahlbares Essen angeboten wird. Es kann nicht sein, dass Kinder im Grundschulalter um 7 Uhr aus dem Haus gehen und um 15 Uhr nach Hause kommen, ohne dazwischen eine warme Mahlzeit zu sich zu nehmen.
Die Folgekosten ernährungsbedingter Krankheiten sind um ein Vielfaches höher als die vom Parlament geforderten 500 Millionen Euro für das Schulobstprogramm. Das gilt auch für die zur Diskussion stehenden Mittel für die Armenspeisung. Diese nicht zur Verfügung zu stellen wäre eine Bankrotterklärung der EU-Agrarminister und Staatschefs zu Lasten unserer Kinder.

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