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 ECO-News - die grüne Presseagentur
Presse-Stelle:  Der Spatz - Alternativer Anzeiger für Bayern, D-80999 München
Rubrik:Essen & Trinken    Datum: 02.10.2008
Im Wein liegt Wahrheit
"Im Wein liegt Wahrheit und mit der Wahrheit stößt man überall an" sagte der schwäbische Denker Hegel zweideutig auf die Frage, ob man mit Wein im Glas anstoße. Die Wahrheit über Wein hat ebenfalls zwei Seiten und die besteht nicht nur aus Rot oder Weiß.

Die Weinrebe ist eine der ältesten Pflanzen der Welt. Älter als der Mensch. Funde beweisen dass es bereits vor 130 Millionen Jahren mehrere Arten von Wildreben gab. Vorderasien gilt jedoch als eigentliche Wiege der Weinkultur. Von dort aus trat der Weinstock vor rund 10.000 Jahren, zusammen mit dem Ackerbau, seinen Weg über die nördliche Erdhalbkugel an.

Heute wird in allen fünf Erdteilen Wein angebaut. Und Wein wird in allen fünf Erdteilen importiert und exportiert. Mancher Rebensaft kommt da auf eine stolze CO2-Bilanz. Die wird gerade mal wieder von China angeheizt. Chinesen der neuen Oberschicht haben ihre Liebe zu Wein entdeckt und trinken gerne den neuen "Leiseling", den deutschen Riesling, gleich wie viele Transportkilometer der hinter sich hat. Doch auch wir Deutschen trinken gerne mal exotisch. Ein samtiger Merlot aus Südafrika oder ein fruchtiger Chardonnay aus Chile zeugt von weltmännischer Kennerschaft, aber von ökologischer Unvernunft.

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?

In Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und selbst in der Schweiz wird Wein angebaut und werden Spitzenweine gekeltert. Allerdings sollte man bei der Auswahl nicht nur auf den guten Geschmack und die kurzen Wege achten, auch die gute fachliche Praxis der Winzer sollte man hinterfragen. Viele kleine Keltereien arbeiten ökologisch ohne Bio zertifiziert zu sein. Ein Gespräch mit dem Winzer und ein Blick hinter die "Kulissen" schafft in diesen Fällen Vertrauen und eine gewisse Sicherheit.

Dieses Hinterfragen ist wichtig. Immer wieder zeigen Tests, dass gerade die Pestizidbelastung der Weine nicht gering ist. Zwar werden meist die Grenzwerte der einzelnen Pestizide und Fungizide nicht überschritten, als Cocktail ist die Giftigkeit jedoch nicht zu unterschätzen und wird auch zum Teil als krebserregend eingestuft. So auch das Ergebnis der jüngsten Umweltstudie des Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. PAN in Zusammenarbeit mit weiteren Umweltverbänden, das spiegel-online so kommentiert: "Die Untersuchung ergab, dass konventionell erzeugte Weine deutlich stärker mit Pestiziden belastet sind als Öko-Weine. Während von sechs untersuchten Öko-Weinen fünf keine Rückstände hatten, waren nach Angaben der Tester in allen 34 untersuchten Weinen aus traditioneller Herstellung Pestizide nachweisbar. Der Preis spielte dabei keine Rolle: Pflanzengifte fanden sich auch in zwei Flaschen französischen Spitzenweins, die jeweils mehr als 200 Euro kosten. In einem beanstandeten Öko-Wein aus der französischen Bourgogne führten die Tester die Rückstände auf die Verunreinigung angrenzender Felder zurück." Testbericht und Hintergrundpapier zum Weintest unter www.global2000.at/pages/pestizide_wein.htm

Gentechnik und Weinbau

Mit dem Forschungsziel Pilzresistenz wurden im Jahr 1999 erstmals gentechnisch veränderte Weinreben in Deutschland ausgepflanzt. 100 Riesling-Rebstöcke in der Pfalz und 78 in Franken. Zwei neue Gene waren in das Erbgut eingeschleust worden, um dem echten und dem falschen Mehltau die Stirn zu bieten. Dieser auf zehn Jahre angelegte Versuch wurde allerdings bereits 2004 beendet. Es hatte sich gezeigt, dass die GV-Rebstöcke kaum weniger anfällig gegen Pilzkrankheiten waren als die konventionellen Pflanzen. Dennoch wird die Forschung weitergehen und, so ist zu befürchten, eines Tages der Gen-Wein auf dem Tisch stehen.

Die biologische Alternative

Da echter wie falscher Mehltau vor Bio-Rebstöcken nicht haltmacht, suchen auch die Ökowinzer nach einem wirksamen Konzept gegen die Pilze. Erlaubt sind Kupferpräparate, die aber die Böden mit Schwermetallen belasten. Versuche mit Tonerde und Pflanzenextrakten führen nur in befallsarmen Jahren zu einem guten Ergebnis. Mit großem Arbeitsaufwand und verdünnter Molke lassen sich im Moment noch die besten Ergebnisse im ökologischen Kampf gegen den Pilzbefall verzeichnen.

Gegen Schädlinge im Weingarten gehen Ökowinzer nicht mit Insektiziden vor, sondern mit Nützlingen oder Pheromonfallen. Außerdem wachsen Bio-Reben auf begrünten Böden, die vielen bereits vorhandenen Nützlingen eine Lebensgrundlage liefern. Vorgehensweisen, die keine Rückstände in den Trauben hinterlassen und darüber hinaus vielen Kleinstlebewesen das Leben retten.

Gekeltert wird in handwerklicher Tradition und mit dem Gespür für den Rebensaft. Manche Ökowinzer vertrauen auf die so genannte Spontangärung, die im Gegensatz zum Einsatz von Reinzuchthefen die wirkliche Traubenqualität widerspiegelt. Das heißt, hat der Winzer seinen Weingarten gut gepflegt, hat das Wetter optimal mitgespielt und ist auch die Ernte gut verlaufen, so wird er mit einem individuellen und möglicherweise großen Wein belohnt. Und seine Kunden auch.

Elisabeth Schütze

Weitere Informationen:

Weinbroschüre "in bio veritas" über
www.oekolandbau.de/verbraucher/wissen/infopaket-bio-wein/weinbroschuere-in-bio-veritas/
oder über www.ecovin.de





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